Konsum & Gesellschaft: nächsten Dienstag, den 16.6., im St.Spiritus (Galerie)
Workshop und Lesung mit Konrad Ott und Toralf Staud
Dass unser übermäßiger Konsum sich nicht gut mit ökologischen Zielen verträgt, ist zwar immer noch wahr, aber eine olle Kamelle. Allein die Geschwindigkeit, mit der Ressourcen aufgebraucht werden und Ökosysteme durch Produktion und Entsorgung vernichtet werden, lässt Umweltbesorgten die Mundwinkel sinken. Was die Shopping-Mentalität für eine lebendige Demokratie bedeutet, wird bisher kaum thematisiert. Welche Rolle spielen Werbung, Shoppen und Entertainment bei der politischen Abstinenz der Bürger/innen und bei der Unfähigkeit (oder Trägheit?) der Gesellschaft, die längst als notwendig anerkannte umweltpolitische Wende zu vollziehen?
Was hat Konsumismus mit bürgerlichem Engagement zu tun? Können wir von Konsument/innen erwarten, dass sie sich Politiker/innen wählen, die ihrer Kauflust Steine in den Weg legen? Lassen sich Zielkonflikte durch „grünen“, also öko-sozial korrekten Konsum, aus dem Weg schaffen? Gibt es realistische Alternativen?
Die AG Konsumkritik der Grünen Hochschulgruppe Greifswald lädt dazu ein, zu diesen Fragen Lösungsstrategien zu entwickeln. Konrad Ott und Toralf Staud werden die Diskussion mit ihren spannenden Gedanken zum Thema bereichern.
Im Anschluss, nach einer etwa halbstündigen Pause, wird Toralf Staud aus seinem vor Kurzem erschienen Buch „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“ lesen. Darin entblößt er auf unterhaltsame Weise zahlreiche Fälle, in denen durch geschicktes Marketing, umweltschädlichen Produkten ein grünes Image verliehen wird. Der Autor lässt uns hinter die Marketing-Maske blicken und liefert damit unverzichtbare Information, damit man den Verheißungen nicht auf den Leim geht.
Prof. Konrad Ott: Professor für Umweltethik an der Uni Greifswald
Toralf Staud: Journalist u.a. für die ZEIT und das Greenpeace Magazin, Autor u.a. des Buchs „Wir Klimaretter“und Initiator des Blogs www.klima-luegendetektor.de
Anne Klatt: Moderation, Studentin, AG Konsumkritik und Grüne Hochschulgruppe Greifswald
Ablauf:
17:00 – 19:30 Diskussion
19:30 – 20:00 Kleine Stärkung mit politisch korrekten Schnittchen
20:00 Autorenlesung mit Toralf Staud: „Grün, grün, grün, ist alles, was wir kaufen“


1. noch ein greifswalder bürger
Kommentar vom 12. Juni 2009 um 12:55
Ein interessantes Thema. Was hat Konsumismus mit bürgerlichem Engagement zu tun? Meine Antwort: Nichts.
Bei diesen Themen muss ich immer an meinen über alles geliebten und geschätzten Großvater denken, der oftmals sagte: Vornehm geht die Welt zu Grunde und der zu gern Politik mit weißem Käse verglich.
Nun gut, ich freue mich jedenfalls, dass es eine Partei gibt, die dieses Thema Konsum konkret anspricht.
Sah ich doch gestern abend eine Sendung mit Kerner, der bestimmt über eine halbe Stunde Sendezeit nutzte, um den Zuschauern zu erklären, dass es Käse gibt, der gar kein Käse ist, sondern eine aus Pflanzenfett, Milcheiweis und anderen Zusatzstoffen zusammen gerührte und irgendwie hart gemachte Pampe. Das darf in Deutschland verkauft werden, ohne dass der Kunde davon eine Ahnung hat.
Das ist nur ein Beispiel, aber davon gibt es eine Vielzahl.
Was mich sehr wütend macht, sind giftige Stoffe im Kinderspielzeug, eine absolute Sauerei.
Und für alle, die mitunter eine bestimmte Wortwahl nicht mögen, schreibe ich jetzt mal in Deutsch: Beschiss ist eben Beschiss und Giftstoffe in Kinderspielzeug eine riesen Sauerei.
Ich wünsche den Grünen viel Kraft, denn ich will wissen, was ich esse.
[Antwort]
Anne Klatt Antwort vom Juni 12th, 2009 19:02:
Hallo Bürger,
ich behaupte, dass die Konsumkultur sehr wohl Einfluss auf das Tun & Lassen der Menschen hat. Werbung dient dazu, in uns Wünsche & Begehren zu wecken. D.h., nicht daran zu denken, was der Gesellschaft als solches vielleicht gut tun würde, sondern was MIR eventuell das Leben netter machen könnte. Sie fördert das Selbst-Verständnis als (selbstbezogene) Konsumenten und nicht das als (gesellschaftsbezogene) Bürger.
Auch nimmt der Akt des Angebote-Sichten, von Werbung “inspirieren” lassen, einfach mal Einkaufs-Bummeln usw. IMMER MEHR Zeit und Raum in unserer Gesellschaft ein. Das bindet geistige Ressourcen, lässt kritische und kreative Potenziale verkümmern und puffert einen von politischen Vorgängen ab (Wenn bspw. die Aldi-Seite der Zeitung intensiver gelesen wird als das Inhaltliche…)
Aber es gibt auf jeden Fall jede Menge Diskussionsstoff für Dienstag!
[Wenn ich von Konsumkultur oder einfach nur Konsum(ismus) rede, meine ich immer das Übermaß; also Marke "Hobby: Shoppen" usw. ]
[Antwort]
ein greifswalder bürger Antwort vom Juni 12th, 2009 19:50:
Liebe Anne, ich bin mir sicher, wir meinen beide das Gleiche.
Wenn ich schreibe: Was hat Konsumismus mit bürgerlichem Engagement zu tun und meine Anwort “Nichts” ist, beziehe ich mich auch auf das Übermass. Wirtschaft ankurbeln heisst doch für viele Politiker kaufen, kaufen,kaufen.
Die Konsumkultur, wie sie derzeitig betrieben wird, ist meiner Meinung nach einfach nur noch krank.
[Antwort]
Anne Antwort vom Juni 12th, 2009 21:26:
Yupp! So weit die Diagnose -aber welche Therapie? Und wie sähe eine “gesunde” Konsumkultur aus?