Keine Ruhe im Theater *update*
Der künstlerische Leiter der Theater Vorpommern GmbH, Intendant Professor Anton Nekovar, tut weiterhin alles, um sein Theater auf Linie zu bringen – und zwar auf seine. Qualität und Leistung spielen dabei keine Rolle, entscheidend ist ausschließlich die Parteinahme für seine Person.
Es hat in den zurückliegenden Wochen und Monaten erhebliche Unruhe im Theater gegeben wegen der fehlenden Führungskompetenz des Intendanten. Sogar das Wiederaufleben des mühsam zugeschütteten Konkurrenzverhaltens zwischen Stralsund und Greifswald mußte dazu dienen, Schwächen auf der Leitungsebene zu überdecken und Pfründe zu sichern.
Nun geht es offenbar ans Eingemachte: Ensemblemitglieder werden herausgepickt und nicht wegen ihrer künstlerischen Leistung, sondern wegen ihres Engagements für einen besseren Führungsstil durch den Intendanten existentiell bedroht. Für kommenden Mittwoch ist eine Einladungen zur Anhörung an drei Ensemblermitglieder ergangen, bei der es in zwei Fällen um Kündigung, in einem weiteren Fall um “Umsetzung” innerhalb des Hauses geht. Im letzteren Fall hat der Intendant zu seinem eigenen Bedauern Unkündbarkeit festgestellt. Trotz seiner ständigen Beteuerungen, daß er nicht auf Rache sinne, und trotz seiner vor Zeugen getätigten Aussage, daß es ihm in erster Linie um das Ensemble gehe (womit dieser Satz jetzt einen völlig neuen Gehalt bekommt!), setzt der Intendant jetzt genau das fort, wofür er kritisiert wurde, und wofür er die Theater Vorpommern GmbH aufs Spiel setzte: Führungsschwäche und einen durch persönliche Befindlichkeiten gesteuerten gutsherrlichen Herrschaftsstil. Leider – immerhin geht es an die wirtschaftliche Existenz einiger Ensemblemitglieder – stellt sich jetzt heraus, daß die Kritiker der Intendanten recht gehabt haben, und daß die in den Beschlüssen der Bürgerschaften als Kompromiß vorgeschlagene zweijährige Verlängerung des Intendantenvertrages eine unerträgliche Fortsetzung des Despotismus bedeutet.
Und wofür? Die Nekovar-Partei führt immer wieder die gelungenen Inszenierungen des Intendanten an. Dann mache man Nägel mit Köpfen: der Intendantenvertrag ist zu kündigen, der Herr Professor als Opernregisseur wieder einzustellen. Denn als Intendant hat er sich um anderes zu kümmern als um Inszenierungen. Einen zweiten Gott neben sich (Operndirektor) duldet er nicht, daher hat er jegliche Konkurrenz ausgeschlossen und übernimmt den Job selbst. Nicht ausgelastet als Intendant? Offenbar! Aber nur der eigenen Einschätzung nach – zu tun hätte er genug.
Und damit nicht genug: Die Zerstörung der Theater Vorpommern GmbH geht noch weiter. Auftragsgemäß verhandeln Greifswald und Stralsund um die Aufrechterhaltung der GmbH, nachdem Greifswald unwiderruflich gekündigt hat. Und auch diese Situation nutzt der Intendant: Verhandlungsmasse sind sein Sessel und demgegegenüber die Stellen des Balletts – Ralf Dörnen und Sabrina Sadowska. Wie weit darf so ein Mensch eigentlich noch gehen? Es sind nicht die statischen und althergebrachten Inszenierungen des Intendanten/Operndirektors, die das Theater Vorpommern über das Parkett des Stralsunder Theaters hinaus bekannt gemacht haben – überregionale, bundesweite Aufmerksamkeit hat das Theater durch die Ballettaufführungen bekommen. Und selbst diesen Erfolg ist der Intendant bereit zu zerschlagen, um seinen letzten Vertrag vor der Rente zu sichern!
Dabei ist selbst seine Rolle als Regisseur nicht unbedingt seine beste. Tumultuöse Zustände auf den Proben zum “Land des Lächelns” lassen es als entweder reinen Zufall oder aber Disziplinleistung des Ensembles erscheinen, daß die Premiere ein Erfolg wurde – eher weniger die Tätigkeit des Intendanten/Operndirektors/Regisseurs Nekovar. *update* [Bis zur Klärung der Richtigkeit ist der folgende Passus (der letzte Satz dieses und der folgende Absatz) aus dem Beitrag genommen.]



1. Bark
Kommentar vom 18. Juni 2009 um 12:37
Schöner Artikel. Aber wo waren die Grünen, als die Stadtverwaltung sich endlich dazu durchrang, Zähne zu zeigen? Der Intendant spaltet nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Politik. Teile und herrsche!
Spätestens nach der Nummer mit dem Wagner-Kongress hätte man ihn kündigen müssen.
BTW: Darf man eigentlich von einer grünen Partei auch eine inhaltliche Stellungnahme zum Theaterprogramm erwarten? Muss die Stadt so viel Geld ausgeben, um dann ein kleinbürgerliches Zuckerbäckertheater zu bekommen?