Extremismus

In der OZ stand folgender Leserbrief:

Umbenennung der Uni wäre skandalös
Rüdiger Klasen und A. Hoffmann aus Püttelkow äußern sich in einem Offenen Brief (hier ein Auszug) zu „Initiative gegen Unipatron“ (OZ vom 16. Juni): Mit Bestürzung haben wir den Aufruf von extremistischen Studenten zur Kenntnis genommen, die altehrwürdige Greifswalder Universität umzubenennen. Das ist derart skandalös, absurd und entbehrt jeglichen gesunden Menschenverstand, dass wir völlig fassungslos sind. Begründung: Nach dem alt bekannten Muster reißen hier allem Anschein nach ungebildete, linksextremistische Personen Zitate berühmter Persönlichkeiten aus dem Zusammenhang und ignorieren mit dumm platter Voreingenommenheit die damaligen Zeitläufe. So unterschlagen diese Studenten geflissentlich, dass Deutschland seinerzeit von den Franzosen besetzt, politisch und wirtschaftlich unterjocht und die Bevölkerung drangsaliert wurde. Die französischen Besatzer boten hier daher kaum Anlass für sonderliche Beliebtheit. Berücksichtigt man außerdem, wie Frankreich bereits vor Napoleon Einfluss auf die deutschen Geschicke genommen hat, in dem es nach und nach z. B. immer wieder deutsches Gebiete annektierte, dann wird nicht nur Arndts Haltung verständlich, sondern die Haltung sehr vieler historischer Deutscher zu Frankreich in der damaligen Zeit. Arndts Bemerkungen zur Rasse entsprechen dem damaligen Wissensstand der humanistischen Aufklärung und dürften daher wohl kaum belastend sein! Jede Art von Extremismus ist eine Bedrohung für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. Das schließt gleichermaßen neben den Rechtsextremismus auch den Linksextremismus und dessen Kulturbolschewismus mit ein, dessen Auswirkung das Chaos und Zerstörung von Menschen und Kulturen bedeutet.

Dazu schreibt schreiben die “Vortragenden”, Studierende der Universität Greifswald (Orthographie, Syntax und Zeichensetzung vorsichtig an die üblichen Regeln angepaßt):

Verehrte Leserbriefschreiber,
bevor man engagierte Studenten als “Extremisten” geißelt, sollte man sich selbst erst mal informieren, was genau dort passiert ist. Es wurden keineswegs “Zitate” verlesen, sondern ganze Textpassagen aus verschiedenen Büchern von Ernst-Moritz Arndt. Die Studenten hatten sich im übrigen sehr wohl intensiv mit der Zeit Arndts beschäftigt und kommen gerade deshalb zu dem Schluss, dass dieser Name nicht tragbar für eine weltoffene Universität ist. Als Grundlage dienen die Ergebnisse des bis heute nicht widerlegten von der Universität im Jahre 2001 durchgeführten wissenschaftlichen Arndt-Seminars. Gleich sieben unabhängige Professoren haben damals aufgezeigt, dass Arndt Völkerhass predigte, eine völkischen Nationalismus verbreitete und einen Antisemtismus vertrat, den gerade die Nazis zitierten. Arndt verbreitete Hass gegen die Franzosen und alles “Nicht-Germanische” über vierzig Jahre lang in fast allen seinen politischen Schriften – schon vor und auch nach Napoleons Besetzung. Die Namensgebung der Universität aus dem Jahre 1933 durch Göring entsprach dem Zeitgeist der NSDAP. Arndt hielt darüber hinaus Humanismus für eine jüdische Verschwörung. Letztlich waren es aber vor allem die Bürger, die mit ihren besorgten Anrufen bei der Polizei wegen “rechtsextremen Parolen” & “Volksverhetzung” dafür gesorgt haben, dass Arndt im Zweifelsfall untragbar ist. Oder hätte jemand die Polizei gerufen, wenn jemand Goethe-Zitate vorliest?
Übrigens handelt es sich bei dem Leserbriefschreiber Rüdiger Klasen um den früheren Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Hagenow, wie man bei Endstation Rechts nachlesen kann. Rüdiger Klasen war selbst maßgeblich im Juli 1992 an einem versuchten Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim bei Boizenburg beteiligt und wurde dafür vor Gericht zur Verantwortung gezogen. Wenn solche Leute für die Beibehaltung des Namens “Ernst-Moritz Arndt” aufrufen, glaube ich, dass wir mit der Umbenennung genau auf dem richtigen Weg sind.

***

(Anmerkung: Klasen hat nach seiner Verurteilung 1994 der Szene abgeschworen.)

***

Zum Thema äußerte sich auch das Bürgerschaftsmitglied Christian Kruse (CDU):

Bevor man an die Abschaffung des Namens Ernst Moritz Arndt geht, sollte man sich mit der Zeit befassen in der er gelebt hat. Was bedeutete Nationalismus und wie verbreitet war Antisemitismus insgesamt? Nun geht es zwar speziell um den Namenspatron der Universität, doch andere allgegenwärtige Namen wären ebenso zu hinterfragen. Wie wäre es mit der Beurteilung antisemitischer Äußerungen von Karl Marx, der als gebürtiger Jude das Judentum hasste und es in zahlreichen Briefen mit Friedrich Engels aufs schmählichste beschimpfte. Von daher sollten sich die Studenten nicht auf einseitige Betrachtungen einzelner lenken lassen. Statt dessen wären sie gut beraten, sich umfassend mit geschichtlichen Hintergründen und Lebensweisen der jeweiligen Zeit zu beschäftigen.

10 Kommentare und 8 Trackbacks/Pingbacks

1. daburnas Logbuch » Blog Archive » Arndt-Debatte in OZ-Leserbriefen

Pingback vom 19. Juni 2009 um 15:23

[...] war und deswegen vor Gericht zur Verantwortung gezogen wurde. Den Leserbrief sowie eine Antwort gibt es hier zu lesen. Wenn sich solche Leute für den Namen aussprechen, dann wird doch nur noch mehr untermauert, [...]

2. Manfred Peters

Kommentar vom 19. Juni 2009 um 16:26

Der Fairness halber sollte in dieser Diskussion auch der
sonst hier gerne zitierte OZ-Blog zur Wort kommen:
http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.com/search/label/Recherche
Der Webmaster kann sicher eine direkte Verlinkung auf den Beitrag herstellen.

3. Ulrich Rose

Kommentar vom 19. Juni 2009 um 16:37

Sehr geehrter Herr Peters,

meinen Sie diesen Artikel:
http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.com/2009/06/offenen-fragen.html
?

Das Schlagwort “Recherche” liefert eine ziemliche Anzahl von Artikeln!

4. Martin

Kommentar vom 19. Juni 2009 um 16:57

Und danach müssten wir das F.-L.-Jahn Gymnasium umbenennen..? Dann ändern wir hier noch nen Namen, da ne Bezeichnung und Fremdenhass gehört der Vergangenheit an.

Wie einfach doch die Welt sein kann…

5. Manfred Peters

Kommentar vom 19. Juni 2009 um 18:17

Danke, es ist der richtige Link und ich habe wieder etwas dazugelernt.
Bloggen bildet!

6. Knuter

Kommentar vom 19. Juni 2009 um 19:27

nein mit Sicherheit nicht man brauch sie aber auch nicht ehren
besonders wenn sie “nur” ein Lied geschaffen haben was noch einer breiteren Masse bekannt ist und die anderen Leistungen pure Hetze waren

7. Ostsee Zeitung veröffentlicht Leserbrief von NPDler | Fleischervorstadt-Blog - Geschichten aus Greifswald - polemisch - politisch - positioniert

Pingback vom 20. Juni 2009 um 13:06

[...] noch am gleichen Tag darüber informiert, wessen Polemik hier ein Podium geboten wurde. Auch der Grünen-Blog hat sich des Themas angenommen und erwähnt, dass sich Klasen nach seiner Verurteilung 1994 von der [...]

8. Martin

Kommentar vom 20. Juni 2009 um 13:37

Wenn mein Land von mir persönlich unbekannten Menschen angegriffen, belagert und annektiert wird…
…dann würde ich mich auch fragen was das los ist…
mal ehrlich, wir als Deutsche haben einen schwer belasteten Ruf in der Welt…
…deswegen sind wir aber nicht das einzige Volk, dass durch Verbrechen gegen die Menschlichkeit Unrecht tat…
meine Vernunft sagt, die Probleme in Deutschland sind es würdig gelöst zu werden…mit Lösen meine ich eine Wurzelbehandlung anstatt dieser kosmetische Quatsch…
wir sollten einen Strich unter die Vergangenheit ziehen und entschlossen noch vorn blicken…Vielen Dank an alle Studenten die natürlich nicht wegen der 564,- € kamen die es zu gewinnen gab… was für ein Erfolg…
Diese VV hat gezeigt wie einfach Politik sein kann…
Ich behaupte, bei genug Bier und Grillwurst wäre auch ein Umzug der Uni nach Demmin beschlossen worden ;)

9. floordress

Kommentar vom 20. Juni 2009 um 13:44

Toll, Herr Kruse nähert sich kritisch der Geschichte!
Ebenso wie jene Professoren, die sich gegen Arndt aussprachen.
Wenn man die Uni schon so toll findet sollte man ihrem Personal auch mal was zu gestehen.

10. Martin

Kommentar vom 20. Juni 2009 um 15:34

mir fällt da noch was ein:

Wollen wir UNS nicht umbenennen..?
Die DEUTSCHEN haben so viel Leid über die Welt gebracht…
Es wäre an dieser Stelle nur konsequent diese Volk umzubenennen…Deutschland klingt doch auch irgendwie schrecklich, oder?

Mein Vorschlag: aus den DEUTSCHEN werden die LIEBEN
aus DEUTSCHLAND machen wir LIEBESLAND

Dann sind wir überall nur noch die LIEBEN aus LIEBEN…
und alle Probleme sind mit einem Federstrich gelöst!

11. Arndt-Debatte: Leserbrief sorgt für Wirbel *update* | webMoritz.de

Pingback vom 21. Juni 2009 um 12:45

[...] Blog der Grünen wird in einem Artikel über den Leserbrief darauf hingewiesen, dass Klassen nach seiner Verurteilung 1994 dem [...]

12. Jost Aé

Kommentar vom 21. Juni 2009 um 15:19

Hallo Herr Kruse – Sie lesen Marx! Ich hin und wieder auch. Allerdings sind mir dabei antisemitische Äußerungen aus seiner Feder nie begegnet. Für einen diesbezüglichen Tipp wäre ich Ihnen dankbar. Nebenbei: Karl Marx war kein “gebürtiger Jude”, sondern wurde in Trier geboren. Mit freundlichen Grüßen – Jost Aé

13. luc

Kommentar vom 22. Juni 2009 um 08:29

Zur Tradition gehört auch, dass sich die Zeiten ändern, denn das haben sie immer getan. Wenn nun ein symbolischer Namenspatron nicht mehr zu den Werten passt, die ausgedrückt werden sollen, ist es nur konsequent, über andere Ideen der Namensgebung zu diskutieren.

14. OZ veröffentlicht Leserbrief von Ex-NPDler « Uni ohne Arndt: Info- & Kampagnenwebsite

Pingback vom 2. Juli 2009 um 19:07

[...] Blog der Grünen wird in einem Artikel über den Leserbrief darauf hingewiesen, dass Klassen nach seiner Verurteilung 1994 dem [...]

15. Ostsee Zeitung veröffentlicht offenen Brief von verurteiltem früheren Neonazi « Uni ohne Arndt

Pingback vom 3. Juli 2009 um 01:30

[...] noch am gleichen Tag darüber informiert, wessen Polemik hier ein Podium geboten wurde. Auch der Grünen-Blog hat sich des Themas angenommen und erwähnt, dass sich Klasen nach seiner Verurteilung 1994 von der [...]

16. Ostsee Zeitung veröffentlicht offenen Brief von verurteiltem früheren Neonazi

Pingback vom 6. Juli 2009 um 01:47

[...] noch am gleichen Tag darüber informiert, wessen Polemik hier ein Podium geboten wurde. Auch der Grünen-Blog hat sich des Themas angenommen und erwähnt, dass sich Klasen nach seiner Verurteilung 1994 von der [...]

17. einfach-orange.de

Trackback vom 20. Juli 2009 um 12:10

Die Namensdebatte um die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald aus Sicht eines Absolventen…

Während die Ideen rund um den Nationenbegriff aus zeitgenössischer Sicht alles andere als revolutionär waren und auch der Antisemitismus in Deutschland auf eine religiöse Tradition zurückblickt, ist die Warnung vor dem Mischen der Rassen als höchst kr…

18. OZ veröffentlicht Leserbrief von Ex-NPDler

Pingback vom 19. November 2009 um 23:36

[...] Blog der Grünen wird in einem Artikel über den Leserbrief darauf hingewiesen, dass Klassen nach seiner Verurteilung 1994 dem [...]

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