Theater ohne Ensemble
Sollte sich noch immer jemand darüber gewundert haben, daß die Besetzung der Premiere von “Land des Lächelns” in Stralsund nicht so war, wie er oder sie erwartet hat, so zeugt dies von einiger Blauäugigkeit, vor allem auf Seiten derer, für die Professor Nekovar noch immer der einzige ist, der das Theater Vorpommern auf Niveau hält. Das tut er auch, aber das Niveau definieren nicht die Zuschauer, nicht die Gesellschafter, nicht das Ensemble, nicht die Freunde des Theaters – nein, das Niveau bestimmt allein der künstlerische Leiter des Hauses. Der Intendant arbeitet weiterhin daran, nur noch alleine vor den Gesellschaftern und der Presse Theater zu machen und die Bühne vom Ensemble zu befreien. Die Kämmerer der Städte und die Landesregierung in Schwerin stehen händereibend und feixend im Hintergrund und können sich ansonsten entspannt zurücklehnen. Ein Intendant ohne Ensemble kommt ihren Sparplänen durchaus entgegen. Immerhin endet sein Vertrag laut Einigung der Gesellschafter 2012. Das ist für die Haushalte absehbar, vor allem, wenn der Intendant weiter so im Ensemble aufräumt.
Nachdem die Anhörungen wegen Nichtverlängerung von Verträgen und einer Umsetzung stattgefunden hatten, strich der Intendant den Namen einer der Betroffenen für die Premiere von “Land des Lächelns” von der Besetzungsliste. Eine merkwürdige Entscheidung: zunächst gut genug für die tragende Rolle bei der Premiere von “Land des Lächelns” und der Eröffnung der der Ostsee-Festspiele, aber jetzt plötzlich “künstlerische” Gründe für die Änderung? Es ist schon kaum mehr nur eine Vermutung, daß es sich nicht um künstlerische Gründe für die Umbesetzung handelt: Hauptkritikpunkt am Intendanten ist seine Personalführungsschwäche. Durch diesen Akt hat er sie wieder einmal bewiesen. Zumindest zeigt er, daß er, von seinen persönlichen Befindlichkeiten im Handeln bestimmt, nicht dazu in der Lage ist, eine stringente Personalpolitik zu betreiben.
Da war sein gutsherrlicher Unterstützer und Freund, der Stralsunder Rechtsanwalt mit Lastovka-Verstrickungen und ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Schüler, konsequenter. Vermutlich aber nur deshalb, weil es bei ihm noch nicht angekommen ist, daß die feudalen Allmachtsphantasien unserer beiden Haralds mittlerweile an ihr Ende gekommen sind. An der Wahlverdrossenheit, die sie angerichtet haben, müssen wir noch arbeiten. Aber die Mehrheitsverhältnisse haben sich schon zu ändern begonnen; selbst die CDU bemerkt langsam, daß sie in den letzten Jahren immer nur verloren hat. Wenn’s die andern doch auch begreifen würden…
Aber zurück zu dem Theater, das auch so heißt.
Der Argumentationstrick des Intendanten ist der, daß der Bühnenpartner von Frau Gerhardt, Michael Renier, verhindert sei und daher die zweite Besetzung habe zum Zuge kommen müssen. Dazu muß man allerdings wissen, daß Herr Renier nicht unbedingt wegen seiner gesanglichen Qualitäten, sondern eher wegen seiner guten Bekanntschaft mit dem Intendanten so viele Gastrollen erhält, daß er eigentlich einen Anstellungsvertrag abschließen müßte. Aber dies zu beurteilen obliegt natürlich ausschließlich dem Intendanten!
Wenn irgendwer dem Theater Vorpommern Schaden zufügt, so ist es der Intendant als Zorro in eigener Sache. Durch seinen Rachefeldzug gefährdet er die Existenz der Theater Vorpommern GmbH. Seine persönlichen Befindlichkeiten werden zum finanziellen Risiko für die Gesellschaft. Die Gewerkschaften haben es schon leise angedeutet.




1. Manfred Peters
Kommentar vom 5. Juli 2009 um 22:44
Ist die GDBA wirklich so unbedarft oder provoziert sie bewusst? Warum wird der Brief (” angedeutet … Bestandsschutz der Ensemblemitglieder…”) nur an die Gesellschafter in Stralsund und Greifswald adressiert? Man hält es nicht einmal für notwendig den Dritten, inzwischen gleichberechtigten Gesellschafter, d.h. die Landrätin Rügens, zu informieren. Aber auch vor der neuen Regelung zur Einstimmigkeit der Beschlüsse wäre es doch ein Gebot des Anstandes gewesen auch einen Minderheitsgesellschafter zu informieren.
Wehe den Mitgliedern, die von so einer dilettantischen Gewerkschaft vertreten werden. Der Organisationsgrad am Theater Vorpommern wäre auch interessant. Wenn in der GDBA nur 7000 Mitarbeiter aller Bühnen Deutschlands organisiert sind, ist das doch wohl auch ein Ausdruck dafür, dass jeder Künstler eben ein schwer in ein Kollektiv integrierbares Individuum ist. Wehe dem Intendanten, der das nicht erkennt!