Dauerbrenner Stadthalle
Großer Bahnhof für die Stadthalle in der heutigen OZ – “kurz vor Fertigstellung” am 18. Dezember. “Der Kaisersaal wird wunderschön”, so Klaus-Peter Adomeit, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Stadthalle (PGS), einer hundertprozentigen Tochter der WVG, die wiederum eine hundertprozentige Tochter der UHGW ist.
Einige Fragen seien jedoch erlaubt, und es ist schade, daß sie im Interview nicht gestellt wurden:
“Die Grünen waren von Anfang an dagegen, sprechen noch heute von einem Prestigeobjekt, dass sich die Stadt nicht leisten könne. Dabei spielen sie auf die Bewirtschaftung und damit verbundene Folgekosten an. Ein Thema, auf das sich auch Adomeit nicht einlassen möchte. „Wir werden noch die Eröffnung gestalten, danach endet unser Auftrag“, sagt er.” Und die Grünen werden an dieser Stelle auch nicht müde, immer weiter nachzufragen: Wie sieht es denn aus mit dem Betrieb der Stadthalle? Wenn das Haus doch jetzt “sicher” ab 19. Dezember durch das Theater betrieben wird, so dürfte doch jetzt bereits der Veranstaltungskalender voll sein, oder nicht? Stand ist der, daß es jetzt zwei (in Ziffern: 2) Veranstaltungen gibt, die nach dem 19.12. stattfinden sollen. Wie sollen mit zwei Veranstaltungen die fixen Kosten auch nur annähernd erwirtschaftet werden? Adomeit hat es gut; er übergibt die Schlüssel und wendet sich ab mit Grausen…
Es wird “der Eingang für Stadthalle und Theater künftig übers gemeinsame Foyer Robert-Blum-Straße erfolgen.” Hier ist die Frage zu stellen: Wie verträgt sich ein neu wieder eingerichtetes Gebäude, das ganz anderen Sicherheits-, vor allem Brandschutzbestimmungen unterliegt, mit dem Theater und seinem Sanierungsstau? Um im Bild zu bleiben: Feuer und Wasser…
Eine weitere unbeantwortete Frage im Zusammenhang mit den Bestimmungen, in denen die Gebäude nicht harmonieren: Wie ist es mit dem Lärmschutz? Ist im Theater noch eine Aufführung möglich, wenn eine Musikveranstaltung in der Stadthalle stattfindet? Kann, umgekehrt, in der Stadthalle das Plenum eines Kongresses tagen, wenn im Theater “Ladies Night” aufgeführt wird? Dazu hat noch niemand etwas gehört…
Zum Prestigeobjekt: Adomeit läßt alle Schattenhaushaltshüllen fallen, wenn er sagt: “Schließlich sei die Stadt Auftraggeber für die Sanierung. Fünf Millionen Euro waren zunächst dafür vorgesehen. Jetzt werden es wohl knapp acht werden.” Ernstzunehmende Projektplaner sind von vornherein von einer zweistelligen Millionensumme für die Sanierung der Stadthalle ausgegangen. Die Bürgerschaft ist mit einer Rumpfsanierung des Gebäudes geködert worden, die “nur” fünf Millionen Euro kosten sollte; selbst diese Rumpfsanierung kostet den Auftraggeber jetzt acht Millionen Euro! Das Prestigeobjekt kostet “natürlich Geld, das von der Wohnungsbau- und Verwaltungswirtschaft (WVG) kommt, deren hundertprozentige Tochter die PGS ist. Auch darüber gab und gibt es Diskussionen. Gegner des Projektes werden nicht müde zu betonen, dass die über 9000 Mieter die Zeche zu zahlen hätten. Für eine Stadthalle, die alle nutzen.” Also wer jetzt? PGS, WVG oder die Stadt als Auftraggeber? Wir dürfen nicht vergessen, daß der jetzige OB zweimal das Geld der Greifswalder eingesetzt hat, um sich auf den Thron zu hieven: einmal (2001) mit der wissentlich falschen Aussage, die Finanzierung der Stadthalle sei gesichert, dann, 2008, indem er das Geld der WVG-Mieter für den rechtzeitigen Beginn der Sanierung kurz vor der Wahl einsetzte. Mindestens acht Millionen Euro Greifswalder BürgerInnen für seine Wiederwahl! Wenn das keine Frage wert ist…
Neben der “kleinen” Bausumme für die Rumpfsanierung, die sich auf acht Millionen schon vor der Schlußabrechnung gesteigert hat, wurden die Greifswalder BürgerInnen immer wieder durch OZ, Theater und den OB mit dem Theatercafé geködert, an das schließlich sich die meisten erinnern, nicht an die Stadthalle selbst! Im Kleingedruckten steht aber, und auch das konnte Adomeit nicht umhin zu erwähnen, daß das TC gar nicht fertig gestellt, sondern im Rohbauzustand übergeben wird – einen Betreiber, der das TC auf eigene Kosten herstellt und eröffnet, gibt es nicht! Schamlos haben die Jubelapologeten, zu denen der zukünftige Betreiber, die Lokalpresse und der Wahlgewinner gehören, das TC für ihre Zwecke ausgenutzt, ohne daß es überhaupt eröffnet wird…
“In einem dämpft der Projektleiter schon jetzt zu viel Optimismus. Großen Stars wird man hier nicht begegnen können, sagt er. Dafür sei die Kapazität der Plätze im Kaisersaal mit maximal 500 zu klein. Auch das Theatercafé wird es zunächst nicht wieder geben. „Bis heute hat sich leider kein Betreiber gefunden“, bedauert Adomeit. „Wir werden es im Rohbauzustand übergeben.“” Noch Fragen? Wir schon. Der Artikel stellt keine…
Weiterhin ungeklärt: Die Anfahrt zum Theater. Was ist, wenn es eine “kleine” Veranstaltung mit “nur” 500 Personen wird, gleichzeitig im Theater eine Vorstellung stattfindet, und die Menschen, wie leider immer noch üblich, mit dem Auto anrücken? Immer höchstens zwei Personen in einem Fahrzeug? Ich höre die Anwohner und die Besucher wegen des Chaos’ und des Lärms bei An- und Abfahrt schon jammern…
Und wo sollen die ganzen Fahrzeuge hin? Auch diese Frage stellt der Artikel nicht…
Und schließlich die “Rumpfausstattung” der Stadthalle: Mehr als hineingehen und sich hinsetzen kann man nicht. Kein Lärmschutz, keine Beschallungsanlage, keinerlei Einrichtungen für Tagungen (schon ein Beamer-Vortrag wird ein Problem!), keinerlei Einrichtung für Bühnenveranstaltungen. Frage: Was außer dem Kongreß der Flüsterer wird in der Stadthalle überhaupt stattfinden können? Keine Antwort…
Insofern müssen wir hartnäckig bei unseren Fragen bleiben – nicht, weil wir keine Stadthalle wollten, sondern weil uns dort ein potemkinsches Haus hingesetzt wird, Populismus und Politikerverhalten in Stein gemeißelt – rumpfsaniert für acht Millionen Euro!



1. fleischervorstadt-blog
Kommentar vom 29. Juli 2009 um 09:29
großen stars begegnet man nicht in der stadthalle, dazu haben wir einen präventionsrat. und der serviert uns alljährlich das beste von vor 30 jahren, um die jugend der stadt vor extremismus zu bewahren (http://blog.17vier.de/?p=663).
das TC ist vermutlich unbezahlbar, sonst hätte sich sicher sofort eine betreiberin gefunden. wen frage ich denn, wenn ich mich in die stadthalle einmieten will, das theater?