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Zug verpaßt *update*

Zug der Wissenschaft verpaßt

In Greifswald macht gerade der Wissenschaftszug halt – allerdings hätte er das gerne auch schon vorher und woanders machen können. “Ein dermaßen unkritisches Bild von Wissenschaft hätte ich nicht erwartet”, so Ulrich Rose vom Kreisverband Greifswald von Bündnis 90 / Die Grünen. Für die Organisatoren des Zuges scheine Technologie und Fortschrittsgläubigkeit Wissenschaft auszumachen, also genau das Denken, das uns in Umweltzerstörung und Klimakatastrophe geführt habe. Beispiel sei die Anpreisung einer noch gar nicht entwickelten Technik, die die Lagerzeit für radioaktive Abfälle “auf wenige hundert Jahre” verkürze – abgesehen davon, daß es diese Technik noch nicht gibt, sind auch mehrere hundert Jahre Strahlentod nicht klein zu reden!
Anja Reuhl, Landschaftsökologin, sieht hier “Wissenschaft” mit “Anwendung” oder “Technologie” verwechselt. “Hier wird das Agieren des gentechnisch-industriellen Komplexes mit all seinen Profitabsichten und der Erzeugung von Abhängigkeiten der betroffenen Landwirte als Rettung der Welt gefeiert”, merkt sie angesichts der Darstellungen im Zug an. “Das Nahrungsmittelproblem in der Welt läßt sich nicht durch gentechnische Eingriffe in Pflanzen lösen, sondern nur durch eine gerechtere Verteilung der Ressourcen”, ist sie überzeugt. Das hier gezeigte Verständnis von “Wissenschaft” sei nur eine Festigung industrieller Vorherrschaft in der Landwirtschaft.
Im Zug läuft ein “Lehrfilmchen”, das eindeutig zeigt, in welche Richtung der Zug fährt. Es ist erstellt von der Firma Transgen, zu deren Auftraggebern und Geschäftspartnern u. a. Bayer CropScience, BASF, Dow Agro Sciences, Monsanto Agrar, Du Pont / Pioneer Hi-Bred International und Syngenta Agro gehören. Daß es dabei nicht um karitative Ziele wie die Ernährung der Weltbevölkerung, sondern um schiere Profitmaximierung und Monopolbildung geht, liegt auf der Hand.
Insgesamt ist es ein völlig anachronistisches Verständnis von Wissenschaft, das dieser Zug transportiere. Zu der Überzeugung kommen beide übereinstimmend. “Wachstum, Fortschritt, Technologie sind nur die Ableger von Wissenschaft. Wissenschaft selbst hat auch mit Kritik und Selbstkritik zu tun, und davon ist hier in diesem Zug noch nicht einmal eine Andeutung zu finden.”

*update*

Anne Klatt schreibt dazu auf dem Blog der Grünen Hochschulgruppe.

2 Kommentare und 2 Trackbacks/Pingbacks

1. “Science Express”: Im Interesse von Wissenschaft oder Wirtschaft? | webMoritz.de

Pingback vom 15. Oktober 2009 um 19:59

[...] Bündnis 90/Die Grünen stellte sich dem Projekt heute sehr kritisch gegenüber. Im Beitrag “Zug verpaßt” wird der Ausstellung ein falsches und anachronistisches Verständnis von Wissenschaft als [...]

2. G.K.

Kommentar vom 16. Oktober 2009 um 13:48

Was ist denn das da für ein komisches grünes Dingsbumms, das das Layout der ganzen Seite zerschießt?

[Antwort]

Anne Klatt Antwort vom Oktober 16th, 2009 15:12:

Ein Teil vom http://www.wildwuchs-mv.de Keine Ahnung,was das Ding hier zu suchen hat. Wir werden versuchen, es wieder dahin zu scheuchen, wo es hingehört!
*erledigt*

[Antwort]

3. CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Hochschild beißt wieder um sich. | Fleischervorstadt-Blog - Geschichten aus Greifswald - polemisch - politisch - positioniert

Pingback vom 20. Oktober 2009 um 11:41

[...] in der Ostsee Zeitung veröffentlichten Leserbrief greift er Dr. Ulrich Rose (Grüne) und dessen Kritik am Wissenschaftszug giftig an: Umso unverständlicher wird nicht nur mir die pauschale Kritik von [...]

4. Kay Karpinsky

Kommentar vom 27. Oktober 2009 um 14:07

Auch Riesenhuber ist anscheinend auf diesen Wissenschaftszug aufgesprungen. Die Rede des Bundestagsalterspräsidenten diesmal als vorgezogene Regierungserklärung mit klaren Aussagen, blind auf Technik, Fortschritt und Wachstum vertrauen zu wollen. Stammt aus Urzeiten, in denen der Fliegenmann noch nicht mal Minister war.

[Antwort]

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