Tun wir’s dem OB nach! *update* **update**

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Oliver Wunder (daburna) schrieb einen sehr guten Kommentar zur Sache im webmoritz:

“Die Leute fahren hier nicht wegen guter Wege Rad, sondern trotz der schlechten. Wieso ist die Stadt auf dieses Ergebnis so stolz? Das Mobilitätsverhalten wurde eindeutig nicht durch verkehrspolitische Maßnahmen erreicht. Das Verhalten des Großteils der 12.200 Studierenden und der normalen Bevölkerung wird als vermeintliche Eigenleistung und Legitimation der Stadt verkauft. Dabei hat die Stadt erst vor kurzem damit begonnen, die Radfahrer verkehrspolitisch wahrzunehmen und nun die miserable Infrastruktur zu verbessern. [...] Fahrradhauptstadt? Das klingt reißerisch und das sollte es vermutlich wohl auch. Doch was legitimiert einen dazu, so einen Titel zu tragen? Die bloße Zahl an Radfahrern? Die Summe aller Fahrräder? Der Anteil des Radverkehrs an der Wahl der Verkehrsmittel? Greifswald ist nach diesen Ergebnissen, zumindest was den Anteil des Radverkehrs an der Wahl der Verkehrsmittel betrifft, auf Position 1, doch Fahrradhauptstadt kann sich die Stadt nicht nennen. “Greifswald die Fahrradstadt, das kann man auf Grund der Daten schon sagen”, so Bördlein.

Vielleicht fallen bei einigen Lokalpolitikern endlich die Groschen und es kommt zu einem fahrradfreundlichen Ausbau der Infrastruktur. [...]”

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Stadtwappen

Jetzt ist es amtlich: die UHGW ist Fahrradhauptstadt Deutschlands! Nun, der Sturm im Wasserglas der anderen Hauptstädte wird, nach den ersten bereits geweht habenden Lüftchen (s. unten), sicherlich bald einsetzen…

Foto Torsten Krüger

Foto Torsten Krüger

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Steffen Burkhardt vom Greifswalder ADFC hat uns eine Einladung geschickt, die wir hiermit gern publik machen:

“Abschlussveranstaltung – Mit dem Rad zur Arbeit

Traditionell soll auch wieder in diesem Jahr eine kleine Abschluss-Radeltour zur Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ gemeinsam mit der AOK und dem ADFC durchgeführt werden.
Alle aktiven Teilnehmer der Aktion sind dazu herzlich eingeladen. Wir treffen uns am Mittwoch, dem 21. Oktober, zu 17:00 Uhr an der AOK-Geschäftsstelle, wo gleichzeitig ab 13:00 Uhr „Tag der Vorsorge“ ist, mit der Möglichkeit sich zu informieren, einen Sehtest zu machen oder eine Grippeschutzimpfung zu erhalten.
Nach dem Rad-Rundkurs nach Wieck und zurück wollen wir die Aktion mit einem gemütlichen Zusammensein vor der Selbsthilfewerkstatt des ADFC ausklingen lassen. Wer will, hat so Gelegenheit, sein Rad mal auf „Licht, Kette und Speichen“ überprüfen zu lassen. Der ADFC – Interessenvertreter für alle Radfahrer – steht gleichzeitig Rede und Antwort zu Belangen in Greifswald, denn viel hat sich gerade in diesem Jahr getan. Neben der Fahrradstraße sind einige neue Schutzstreifen oder Radfahrsteifen eingerichtet worden; hat sich zum 1.September die StVO für Radfahrer zum Besseren geändert u. a. m. – nutzen Sie also die Gelegenheit – wir freuen uns auf viele Diskussionen und Anregungen rund ums Fahrradfahren!”

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Soweit die Einladung zum 21. durch den ADFC. Die Pressemeldung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, daß sie jetzt Fahrradhauptstadt der Republik sei und damit Münster ablöse, hat reichlich Wellen geschlagen. Eine gute Zusammenfassung der Reaktionen bringt ein Münsteraner Blog:

“19.10.09 · 01:28 Uhr
Abgehängt – Münster nicht mehr Fahrradhauptstadt?
Greifswald beansprucht den Titel – Münsters Lokalpresse schäumt.

[...]

Die genauen Zahlen sollen erst am Dienstag auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden. In Münster hat die Ankündigung aber schon zu harschen Reaktionen geführt.

Bild: Münsterländische Volkszeitung

Bild: Münsterländische Volkszeitung

Das Lokalblatt Hallo Münster widmet dem Thema gestern seine Titelgeschichte:

[...] Ja, potz Blitz, schäumen könnte man da. Schäumen.

Stephan Böhme vom städtischen Planungsamt und zuständig für Münsters Radverkehr, hat sich am Telefon trotzdem nichts anmerken lassen. Beifall für den Erfolg der Ostsee gab’s von ihm aber keinen. Eher leise Zweifel. Und schon gar nicht will sich Böhme in Zukunft an Greifswald orientieren. “Ich gucke eher nach Groningen, Utrecht oder Kopenhagen, das Fahrradwelthauptstadt werden will und dafür Millionenbeträge investiert”, sagt er.

Dort gebe es sicher mehr zu lernen für das Ziel, den Radverkehrsanteil in Münster von 37,6 Prozent (November 2007) auf 40 bis 45 Prozent in den nächsten Jahren zu heben. [...]

Und die Münsterländische Volkszeitung legt noch nach:

In Münster sei nicht einfach die Radnutzung an einem Tag ermittelt worden, „hier gibt es ein komplexes, schlüssiges System, das auf den Fahrradverkehr ausgerichtet ist”. Und zwar nicht nur in einem kleinen Bereich – „sondern durchgängig”.

Ein Vergleich lässt Greifswald blass aussehen. Gerade mal 14 Kilometer eigenständige Radwege hat die vorpommersche Stadt, in Münster sind es 293. Außerdem gibt es hier 22 Fahrradstraßen, in Greifswald nur eine. „Experten aus aller Welt, die bislang nach Münster kamen, werden jetzt nicht plötzlich nach Greifswald fahren, um sich dort anzuschauen, wie eine Fahrradstraße funktioniert”, sagt Böhme.

Klar, dass es in der 54 000-Einwohner-Stadt an der Ostsee auch noch viel weniger Drahtesel gibt als in Münster. So wenige, dass Böhme keinen einzigen entdeckte, als er sich gestern Morgen im Internet durch Greifswald-Webcams klickte. Fahrradhauptstadt Greifswald? Daran glaubt man wohl nur dort . . .

(Sehr lustig sind auch die Leserbriefe zum MV-Artikel. Ein Beispiel: “Die wenigsten werden wissen, wer Greifswalds Partnerstadt im Westen ist: Osnabrück! Ein Schuft, wer Böses dabei denkt und nun vermutet, dass unsere evangelischen Friedensstadt-Rivalen ihre vorpommerschen Glaubensbrüder und Komplizen animiert haben, Münsters Glorie zu beflecken.”) [...]”

7 Kommentare

1. fleischervorstadt-blog

Kommentar vom 19. Oktober 2009 um 11:54

habe bereits vor zwei tagen was darüber geschrieben:

http://blog.17vier.de/?p=3068

2. Steffen Burkhardt

Kommentar vom 19. Oktober 2009 um 12:42

Dass Münster eine fahrradfreundliche Stadt ist, konnte ich vor einigen Jahren schon erradeln, als ich zur Bundeshauptversammlung des ADFC dort war. Sicher ein Vorbild in Deutschland und ein Ansporn für uns – hier in Greifswald, da noch viel zu tun! Um so mehr freuen wir uns über den reichlichen Alltags-Radverkehr, der uns den nötigen Rückenwind gibt, dass die Politik auch was tun muss, denn am Radfahren kommt keine Stadt vorbei, die es ernst meint mit der Verbesserung des Klimas und Verminderung des Autoverkehrs. In diesem Sinn lasst uns nicht streiten, wer besser ist, sondern freuen wir uns über die erreichten Ziele – hier wir dort!
Steffen Burkhardt – Ortsgruppensprecher in Greifswald (ADFC)

3. Dr. Ulrich Rose

Kommentar vom 19. Oktober 2009 um 14:38

Ich weiß; über den link zu dem Münsteraner Blog kommt man auch auf Deinen Blog-Eintrag. Daher dachte ich, ich brauche ihn nicht extra zu erwähnen…

4. fleischervorstadt-blog

Kommentar vom 21. Oktober 2009 um 09:31

Das war auch keineswegs streitlustig gemeint, im Gegenteil!

5. Manfred Peters

Kommentar vom 21. Oktober 2009 um 14:03

Der Wettbewerb geht wohl weiter

Heute als OZ-Leserbrief, Glückwunsch zum 2. Platz:
http://www.ostsee-zeitung.de/lokal/leserbriefe_artikel_komplett.phtml?param=news&id=2588117
Aus Wikepedia:
“Fahrradstadt Bocholt
Bocholt ist eine ausgesprochene Fahrradstadt, fast jeder Bürger besitzt ein oder mehrere Räder, das Radwegenetz ist weitläufig und komfortabel ausgebaut. Im Sommer müssen auswärtige Autofahrer auf der Hut sein wegen des starken Radverkehrs in der Stadt, selbst im Winter benutzen viele Bürger ausschließlich ihren Drahtesel. Gruppenausflüge mit dem Fahrrad, so genannte “Pättkestouren”, sind besonders im Frühjahr beliebt. In den Jahren 2005 und 2006 gewann die Stadt Bocholt den vom ADFC und BUND verliehenen Titel “Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands” in der Kategorie der Städte unter 100.000 Einwohner. Bocholt ist die erste Stadt Deutschlands, die eine bewachte Fahrradstation an einem Bustreff und nicht an einem Bahnhof errichten ließ. Eine zweite Radstation am Bocholter Bahnhof ist 2008 in Betrieb gegangen.”
Wenn es auf der Welt doch nur solche Streitfälle geben würde!

6. Kay Karpinsky

Kommentar vom 21. Oktober 2009 um 14:31

Da wird einfach schön aneinander vorbei argumentiert. Die einen (der OB) argumentieren mit Zahlen und damit Quantität, die anderen (Münster) mit Qualität, die sich auch aus Selbstverständnis der verkehrsteilnehmenden Bevölkerung ergibt. So etwas muss langfristig wachsen. Die greifswaldübliche vordergründige Großkotzigkeit ist das, was man in Westfalen zu Recht durch den Kakao zieht. Zur “Fahrradstadt” gehört auch eine entsprechende Haltung der nicht radfahrenden Bevölkerung, die durch eine offensive, glaubwürdige und in den Gesamtzusammenhang Klimaschutzpolitik eingebettete Strategie durchaus mehrheitsfähig ist. Vielleicht sollte sich der OB einfach mal Rat bei seinem Tübinger Amtskollegen suchen.
Und selbst auf der Zahlenebene hapert es: Greifswalds hoher Radverkehrsanteil wird auf eine Fläche von 51 km² erzielt. Münster kommt auf 303 km². Wie man solche Unterschiede sinnvoll normiert, weiß ich auf die Schnelle auch nicht. Ein Vergleich im Maßstab eins zu eins ist jedenfalls nicht drin.

7. Susanne Korf

Kommentar vom 21. Oktober 2009 um 23:53

Richtig: Zu einer Fahrradstadt gehört auch eine entsprechende Haltung in der Gesamtbevölkerung und diese ist in Münster deutlich ausgeprägter als in Greifswald.

Auch eine gute Infrastruktur ist entscheidend, aber die Radwege in Münster als Kriterium für eine Fahrradstadt anzuführen ist dann doch eher kontraproduktiv: Die Radwege in Münster sind in weiten Teilen zu schmal und weisen insbesondere an Knotenpunkten große Defizite auf. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum Münster von den hohen Unfallzahlen nicht so schnell herunterkommt, weil eine Umwandlung in Radfahrstreifen oder breitere Fahrbahnen teuer ist. Eine echte Fahrradstadt braucht auf den meisten Strecken aber auch gar keine Radwege, weil sich in einer Fahrradstadt der Autoverkehr an der Geschwindigkeit der Radfahrer orientieren würde und somit eine sichere gemeinsame Führung problemlos realisieren ließe. Insofern kann man nur hoffen, dass Greifswald sich nicht an den gefährlichen Radwegen Münsters orientiert, sondern wichtigere Infrastrukturmaßnahmen auch zu Lasten des motorisierten Individualverkehr vorantreibt.

Zum Abschluss muss man aber Münster und Greifswald vorwerfen, dass der Radverkehr in weiten Teilen zu Lasten des Fußverkehr bzw. des Öffentlichen Verkehrs ausgebaut wurde. Wenn man also nicht Fahrradhauptstadt, sondern Klimaschutzhauptstadt werden will, muss man den Verkehrsanteil des Umweltverbundes betrachten und diesen zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs fördern. Davon sind aber sowohl Münster als auch Greifswald leider weit entfernt.

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