Steinkohlekraftwerk Lubmin: Noch immer nicht ad acta gelegt!

Wie in diesem Blog schon zu lesen war, gibt es einige Personen und Verbände, die “rechtsstaatliche Genehmigungsverfahren” und “unternehmerische Entscheidungen” nur dann akzeptieren, wenn sie der eigenen politischen Richtung (und ihrem eigenen Geldbeutel, was häufig ein und dasselbe ist) nutzen. „Es ist wichtig, dass der Prozess jetzt nicht abgebrochen und das Genehmigungsverfahren weitergeführt wird. Die Region braucht einfach so einen industriellen Leuchtturm“, sagt der Vizepräsident der vorpommerschen Unternehmer-Vereinigung, Dietrich Lehmann, laut einem Nordkurier-Artikel.

Leute wie Herr Lehmann haben scheinbar immer noch nicht begriffen, welche Gefahr für die Region durch die DONG-Entscheidung abgewandt wurde, und stehen argumentativ nach wie vor irgendwo in der Steinzeit.

3 Kommentare und 1 Trackback/Pingback

1. Ralf

Kommentar vom 22. Dezember 2009 um 10:41

Tja, da haben wir alle gedacht, das Steinkohlekraftwerksprojekt ist beerdigt. Und nun das. Der Unternehmerverband trommelt weiter dafür und sagt, dass ‚intensive Gespräche mit neuen Interessenten laufen‘. Die zögerliche Haltung der Politik (der SPD mit anderen Worten) sei Schuld, dass DONG abgesprungen ist und jetzt auch diese neuen potentiellen Investoren vorsichtig wären. Und dann kommt es wieder. Das Genehmigungsverfahren sei künstlich in die Länge gezogen worden. Also, heißt es mit anderen Worten, liebe Landesregierung, sagt dem STAUN es soll genehmigen. Immer wenn von politischer Seite was gegen das Kraftwerk gesagt wurde, sollte man sich nicht in das rechtsstaatliche Verfahren einmischen. Rumgedreht ist es natürlich immer was Anderes weil wir diesen ‚industriellen Leuchtturm‘ unbedingt brauchen. Die Damen und Herren vom Unternehmerverband sollten aber endlich zwei Dinge zur Kenntnis nehmen: Erstens würde bei einer Genehmigung ohne Vorliegen der Genehmigungsvoraussetzungen (uns so interpretiere ich Backhaus Äußerungen zu unvollständigen Unterlagen) jedes Gericht den Beschluss kassieren, denn geklagt würde wohl auf jeden Fall, und zweitens rechnet sich die Investition immer weniger. Auch ein neuer Investor müsste die erforderlichen Emissionsrechte vollständig kaufen und wie es aussieht, wird es nicht einfach, den Strom hinterher teuer zu verkaufen. Denn der Rückgang des Stromverbrauchs und die gewollte Verlängerung der Laufzeiten zumindest einiger Atomkraftwerke wird zu einem Überangebot an Grundlaststrom führen. Dazu wird der Strom aus erneuerbaren Quellen, insbesondere Offshorewindkraft, zu vielen Zeiten relativ billig angeboten werden und mit den Kosten anderer Stromerzeuger locker mithalten können. Also liebe Leute, verabschiedet euch endlich davon, dass das Ding kommen wird und überlegt lieber, wie wirklich zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden können. Denn ein Steinkohlekraftwerk könnte auch schnell zu einer Investitionsruine werden – und dann?

2. Ulrich Rose

Kommentar vom 22. Dezember 2009 um 11:10

Hallo Ralf,
dann sind wir in einer win-win-Situation: Erst bauen wir das SKW auf Ich-weiß-nicht-Wessen Kosten, können es nicht betreiben, verschmutzen also weder die Luft, noch erwärmen wir den Bodden, und reißen es dann wieder ab – zweimal Arbeit für regionale Firmen!
So jeden falls war die Argumentation bei der Tiefgarage unter dem PLM: Erst bauen wir sie, und in ein paar Jahren reißen wir (dieselben Firma) sie wieder ab. (Der kleine Unterschied ist nur der, daß die Tiefgarage jetzt nicht mehr einen Privaten in den Konkurs führt (Michel ist wegen des zu hohen Risikos damals abgesprungen), sondern daß die Stadt die Verluste auffängt. Und nur deswegen hat die Abriß-Firma noch keine neue Arbeit…)
Es ist also ein erprobtes Verfahren, von dem alle profitieren! Ich verstehe gar nicht, was diese Ökos da wieder zu meckern haben…

3. Ist das Aus für das Steinkohlekraftwerk noch nicht besiegelt? | Fleischervorstadt-Blog - Geschichten aus Greifswald - polemisch - politisch - positioniert

Pingback vom 24. Dezember 2009 um 12:12

[...] dem Blog der Greifswalder Grünen wird verlautbart, dass der Unternehmerverband Mecklenburg Vorpommern nach [...]

4. Ralf

Kommentar vom 31. März 2010 um 09:56

Nun wissen wir endlich, was Prof. Matschke in seinem Gutachten zum Steinkohlekraftwerk da berechnet hat. Wenigstens so ungefähr. Dem Webmoritz sei Dank. Und hinter dem Schleier sich hochwissenschaftlich und objektiv anhörender Berechnungen (er bestand offenbar darauf, dass die Begriffe wie Input-Output-Analyse, Leontieff-Inversen usw. im Text auftauchen) werden Ergebnisse produziert, die natürlich maßgeblich von den Annahmen in den Modellen und von den Vorgaben der Auftraggeber abhängen. Von diesen Vorgaben lesen wir natürlich nichts. Jeder der sich mit solchen Berechnungen nur ein wenig befasst hat weiß, dass die Ergebnisse extrem sensibel auf Annahmen in den Modellen reagieren. Mit anderen Worten – man kann fast alles ausrechnen. Dies will ich Prof. Matschke aber gar nicht unterstellen. Nur, wenn ich mit der grundsätzlichen Meinung beginne, dass so eine Investition wichtig und richtig ist, werde ich natürlich alle Eingangsdaten und Berechnungsvarianten (die er aus anderen Berechnungen zu Kraftwerksprojekten offenbar übernommen hat) auswählen, die positive Wirkungen haben – und andere eventuell nicht so gewichten. Und das Projekt an sich hat er auch nicht bewertet. Rechnet sich ein Kohlekraftwerk heute überhaupt noch? Das wäre interessant gewesen.
Das eigentliche Problem ist aber noch ein Anderes. Was wir bräuchten wäre eine Abwägung mit Alternativinvestitionen. Würden über einen Zeitraum von 30 Jahren nicht andere Investitionen, die kurzfristig der Region zwar weniger Wertschöpfung aber langfristig mehr Arbeitsplätze bringen würden, viel lukrativer sein? Aber so ein Gutachten wollte dieser sogenannte Rat für nachhaltige Entwicklung natürlich nicht in Auftrag geben. Denn dann wären die Ergebnisse wohl eindeutig. Alternativinvestitionen mit einem höheren Arbeitsplatzpotential würden der Region viel mehr einbringen als das Strohfeuer einer einzigen Großinvestition mit wenigen Dauerarbeitsplätzen. Das scheint leider auch dem Gutachter egal zu sein…

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