Namen sind nicht Schall und Rauch *update*

Heutige Pressemitteilung des KV Greifswald:

Der Kreisverband (KV) Greifswald von Bündnis 90 / Die Grünen bittet alle Studierenden, sich an der bis Freitag laufenden Urabstimmung über den Namen der Universität zu beteiligen. Eine hohe Beteiligung würde deutlich machen, daß die Namensdebatte, von den Studierenden selbst angestoßen, längst überfällig ist. Der KV distanziert sich von Meinungen, daß nur „Alteingesessene“ über die Namensgebung entscheiden dürften, während sich die aktuell Studierenden (immerhin über 12.000!) um ihr Studium zu kümmern hätten. Gerade für die Studierenden hat der Name ihrer Universität ein hohes Identifikationspotential, wie die Meinungsäußerungen der Alumni (pro und contra Arndt) zeigen. Die Universität mit ihrem Senat ist natürlich nicht von einem Votum der Greifswalder Einwohner und ihrer Bürgerschaft abhängig und in ihrer Entscheidung völlig autonom. Daher wird der KV dem Ergebnis der Urabstimmung nicht durch Meinungsmache vorgreifen, sondern es akzeptieren. Er bittet den Senat der Universität und die Bürgerschaft der UHGW, ein Gleiches zu tun.

„Wobei allerdings nach dem Wegfall der „Kraftwerke Greifswald“, bei den Plänen zum Verlust der Kreisfreiheit und der allgemeinen Marketing-Einfallslosigkeit der UHGW ein Name wie „Universität Greifswald“ für die Stadt sehr nützlich und ein ziemlich großes Geschenk wäre! Verdeutlichte er doch den Zusammenhang zwischen Universität und Stadt einerseits und brächte andererseits die Stadt werblich sehr weit nach vorne“, so Ulrich Rose vom KV-Vorstand.

*update*

Reaktion auf das knappe Ergebnis in der ZEIT und auf die Abstimmung überhaupt seitens der SPD hier.

Der im webmoritz erwähnte Leserbrief von Maria-Theresia Schafmeister lautet:

“Unabhängige Entscheidung
Als Vorsitzende des Akademischen Senats unserer Universität möchte ich die Damen und Herrn Kommunalpolitiker doch bitten, ihre Politik zum Wohle unserer Stadt zu betreiben.
Ein persönliches Interesse eines jeden Greifswalders oder Alumni an der Debatte um unseren Namen begrüße ich ausdrücklich. Dennoch ist der Akademische Senat unserer Universität unabhängig! Er setzt sich zusammen aus Studenten, Mitarbeitern und Professoren, Greifswaldern, Zugezogenen und Ausländern, Männern und Frauen, Theologen und Geologen. Der Senat handelt verantwortungsbewusst und wird seine eigene Entscheidung in EIGENER Sache fällen.
schreibt Maria-Theresia Schafmeister aus Greifswald”

7 Kommentare und 3 Trackbacks/Pingbacks

1. Rekord-Wahlbeteiligung am dritten Tag | webMoritz.de

Pingback vom 13. Januar 2010 um 20:35

[...] noch nicht abgegeben hat, muss sich langam beeilen. Heute riefen auch die Greifswalder Grünen die Studenten dazu auf , sich an der Urabstimmung zu beteiligen. Man werde das Ergebnis aber in jedem Fall respektieren [...]

2. Gregor Kochhan

Kommentar vom 14. Januar 2010 um 17:26

Der Namensstreit hat jetzt auch die taz erreicht, wobei dort Greifswald mal eben halbiert wurde:
http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/umstrittener-namensgeber-arndt/

3. Kay Karpinsky

Kommentar vom 14. Januar 2010 um 21:44

Als Nummernfeldtippfehler sind die 27000 nicht übermäßig plausibel, aber auch nicht ausgeschlossen. Den Rest besorgen dann ein Lektor ohne das notwendige enzyklopädische Grundwissen und die unter Zeitungsleuten durchaus verbreitete Verachtung der Zahl an sich.

4. Manfred Peters

Kommentar vom 14. Januar 2010 um 23:40

Lieber Gregor,
so lange die Grünen Greifswalds unter Führung ihres Fraktionsvorsitzenden in der Bürgerschaft einen Kaiser(Wilhelm II.-Gedächtnis)saal in der Stadthalle, für zeitgemäß halten, habe ich Probleme mit diesem Beitrag und verwandten Beiträgen. Nichts Neues, denn meine Position ist hinreichend bekannt.
Den von Dir zitierten TAZ-Beitrag habe ich mit einem Kommentar zu den Namenspatronen an einigen Universitäten in den gebrauchten Bundesländern bereichert.
Dieser OZ Leserbrief könnte allen Streithähnen und Fundamentalisten beider Seiten nach dem Lesen in den Ohren klingen, wenn da nicht noch die schwierige Frage nach der Beziehung zwischen Uni und Gesellschaft bliebe:

Unabhängige Entscheidung

Als Vorsitzende des Akademischen Senats unserer Universität möchte ich die Damen und Herrn Kommunalpolitiker doch bitten, ihre Politik zum Wohle unserer Stadt zu betreiben.
Ein persönliches Interesse eines jeden Greifswalders oder Alumni an der Debatte um unseren Namen begrüße ich ausdrücklich. Dennoch ist der Akademische Senat unserer Universität unabhängig! Er setzt sich zusammen aus Studenten, Mitarbeitern und Professoren, Greifswaldern, Zugezogenen und Ausländern, Männern und Frauen, Theologen und Geologen.
Der Senat handelt verantwortungsbewusst und wird seine eigene Entscheidung in EIGENER Sache fällen.
schreibt Maria-Theresia Schafmeister aus Greifswald

5. Ullrich Bittner

Kommentar vom 15. Januar 2010 um 14:28

Richtigstellung

Lieber Herr Peters,
der Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Grüne Ullrich Bittner hat für die Ablegung des Namens Kaisersaal gestimmt !
Ullrich Bittner

6. Manfred Peters

Kommentar vom 15. Januar 2010 um 15:27

Entschuldigung, lieber Herr Bittner, ich habe Sie aufgrund dieses, meiner Ansicht nach auch falschen Zitates in der OZ verwechselt:
“Luthers Bemerkungen zu den Juden waren wenig schmeichelhaft. Auch Herder, Clemens Brentano und Friedrich Ludwig Jahn äußerten sich antisemitisch, belegte Historiker Stefan Fassbinder während der jüngsten Bürgerschaftssitzung anhand von Zitaten. Dennoch tragen Greifswalder Straßen ihre Namen, so der Grünen-Vertreter, komme aktuell niemand auf die Idee, sie umzubenennen.”
Dem wurde aber nicht widersprochen.
Anm.: Das mit der Führung als Fraktionsvorsitzender ist wiederum ja nicht so verkehrt.

7. Manfred Peters

Kommentar vom 16. Januar 2010 um 00:34

Der Artikel in der “Zeit Online” ist ein Skandal hinsichtlich des Demokratieverständnisses seines Autoren. Eine Begründung würde hier den Rahmen eines Kommentars überstrapazieren.
Auch die Initiative UoA zeigt sich offensichtlich als schlechter Verlierer. Ein knappes Ergebnis wäre 49,9% für die Umbenennung und 50,1% gegen die Umbenennung.
Das ist nun der Tenor eines Lautsprechers der Arndt-Gegner, ähnlich und deutlicher an verschiedenen Stellen im Webmoritz zu lesen: “… äh, war doch vorher klar, dass die Urabstimmung nicht bindend ist. Nu ma schön die Füße ruhig halten.”
Ähnliche “Wahlsiege” wie die UoA hat nur Friedbert Pflüger in Berlin gefeiert!
Eigenartig ist auch, dass Sebastian Jabbusch nun seine Hoffnung auf die Senatskommission setzt, die er in der Vergangenheit mehrfach ob ihrer Zusammensetzung kritisiert hat.
http://www.webmoritz.de/2009/12/08/arndt-anhorung-streit-ueber-auswahl-der-experten/

8. Martin

Kommentar vom 16. Januar 2010 um 00:54

“Daher wird der KV dem Ergebnis der Urabstimmung nicht durch Meinungsmache vorgreifen, sondern es akzeptieren. Er bittet den Senat der Universität und die Bürgerschaft der UHGW, ein Gleiches zu tun.”

Ich bitte um Einhaltung des gegebenen Versprechens :)

9. Tweets die Namen sind nicht Schall und Rauch - Greifswald wird Grün erwähnt -- Topsy.com

Pingback vom 16. Januar 2010 um 04:47

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Dr. Ulrich Rose und Dr. Ulrich Rose, Némonay erwähnt. Némonay sagte: RT @ulrichrose: #Arndt #Universität #Greifswald http://blog.gruene-greifswald.de/2010/01/13/namen-sind-nicht-schall-und-rauch/ [...]

10. Medienfeedback…

Pingback vom 5. März 2010 um 16:01

[...] Greifswald wird Grün: Namen sind nicht Schall und Rauch [...]

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