Buchtip: „Fossiles Denken schadet noch mehr als fossile Brennstoffe.“

Schindler, Jörg / Held, Martin / Würdemann, Gerd
Postfossile Mobilität
Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil
Herausgegeben von Mobilitätsinitiative – moin.
Mitwirkung (sonst.): Kuhla, Eckard / Schubert, Steffi
Verlag : VAS Vlg f. Akad. Schriften
ISBN : 978-3-88864-422-1
Einband : Paperback
Preisinfo : 19,80 Eur

Der moderne Verkehr ist fast vollständig von Erdöl abhängig. Peak Oil, der jetzt erreichte Höhepunkt der weltweiten Ölförderung, zeigt die Nichtnachhaltigkeit des fossil angetriebenen Verkehrs. Das Ölangebot wird in naher Zukunft kontinuierlich abnehmen. Die Krise der Automobilindustrie ist in diesem Kontext zu sehen. Es geht nicht so weiter, weil es nicht so weiter gehen kann. Wir sind gewöhnt, nur den Verkehr zu sehen. Verkehr hat Verkehrsmittel und -infrastrukturen im Blick. Diese Sicht verstellt jedoch das Wesentliche: Tatsächlich geht es um den Menschen und seine Bedürfnisse. Daher ist Mobilität der grundlegendere Begriff, weil er vom Menschen ausgeht. Mobilität umfasst Beweglichkeit (Potenzialität), Bewegung (Verkehr) einschließlich des Ankommens (und Innehaltens) und das Bewegende (die Emotionen). Wie kann Mobilität für alle Menschen gesichert werden, wenn die bisher so billig und reichlich erscheinenden fossilen Energiequellen zur Neige gehen? Dazu müssen wir uns von der mentalen Landkarte des fossilen Verkehrs verabschieden.

3 Kommentare

1. Ronald

Kommentar vom 2. März 2010 um 14:53

Volle Zustimmung – nur zu dem Satz “Die Krise der Automobilindustrie ist in diesem Kontext zu sehen.” möchte ich ergänzen, dass die Krise natürlich nicht Produkt dieses Kontextes, sondern das Ergebnis einer Überproduktion ist und diese wiederum im Rahmen einer globalen Krise des warenproduzierenden Systems gesehen werden muss. Ein ökologisches Umdenken ist zwar notwendig aber nicht hinreichend, wir müssen uns beispielsweise auch vom Wachstum verabschieden, das im “Green New Deal” beispielsweise nicht in Frage gestellt wird, denn die (inflationsbereinigte) Kaufkraft der breiten Bevölkerung wird auf absehbare Zeit eher sinken als steigen, dies werden auch künstlich angelegte chinesische Industrieansiedlungen nicht mehr abfangen können, die jetzt im Rahmen der Krise auf Staatskosten wie Pilze aus dem Boden schießen. Konsequenz daraus ist wiederum, da Kapitalismus ohne Wachstum nicht funktioniert, denn warum sollte jemand investieren, wenn er keine Rendite erwartet, dass wir endlich auch das Thema der kapitalistischen Wirtschaftsordnung auf die Tagesordnung setzen müssen, was weitreichende Konsequenzen für die juristische Verfasstheit des Staates hat.

2. Bernd Walther

Kommentar vom 3. März 2010 um 10:22

peak oil und peak everything sind reale logische Entwicklungen, die durch ein viele Jahrzehnte währendes exponentielles ökonomisches Wachstum auf unserem endlichen Planeten hervorgerufen wurden und keine politischen Verschwörungen. Wir müssen uns deshalb dieser Herausforderung stellen so unbequem sie auch ist.

Die Globalisierung wird innerhalb der nächsten 5 Jahre zu Ende gehen und in ihr Gegenteil, nämlich die Relokalisierung, umgekehrt werden. Der Zusammenbruch und das Ende ganzer Industriezweige zu denen auch die auf fraktionalem Reservebanking beruhende Finanzindustrie zählt, werden die Grundpfeiler unserer gewohnten Zivilisation in Frage stellen.

Die Jahre um 2012 werden deshalb nicht nur spirituell sondern auch auch strukturell und materiell eine riesige Zeitenwende werden. Die Ernährung von fast 7 Milliarden Menschen auf der Erde wird bereits ab etwa dem Jahr 2017 schwierig werden, weil unsere heutige industrielle Landwirtschaft auf billige Energie und Mineralien wie etwa Phosphat (= peak im Jahr 1989) angewiesen ist.

Wir stehen heute deshalb vor ungeheuren materiellen und sozialen Herausforderungen, die aber auch eine Verheißung auf eine positive Veränderung bedeuten, nämlich der Abkehr von einem extrem ökotoxischen und nicht nachhaltigen Wachstumsfetischismus.

3. Ronald

Kommentar vom 3. März 2010 um 21:12

Gibt es denn Menschen die Peak Oil in den Bereich der Verschwörungstheorie schieben? Dazu würde schon eine gehörige Portion Ignoranz gehören…

Dass die Globalisierung endet, glaube ich nicht. Das mag vielleicht in den Prophezeiungen von attac so klingen, aber verdrängt natürlich völlig die internationalen Finanzverpflechtungen und die heutigen Möglichkeiten der Kommunikation z.B. des Internets. Eine Ende der Globalisierung ist in meinen Augen auch gar nicht wünschenswert, denn natürlich können die bestehenden Probleme nur in einem globalen Rahmen bewältigt werden.
Was allerdings geschehen kann, dass wir in den nächsten Jahren ein letztes Aufbäumen der Nationalstaaten erleben werden. Ein Hinweis darauf konnte den vergangenen Europawahlen entnommen werden.

Und ein letzter Satz zum Wachstumsfetischismus. Ich halte den Begriff in diesem Zusammenhang für gewagt, weil Fetischismus ja in gewisser Weise beinhaltet, dass eine abstrakte Ebene als real wahrgenommen wird und damit die Sicht auf die wirklich reale Ebene versperrt (wie z.B. beim Wertfetisch) und diese Vermischung gibt es m.E. beim Begriff Wachstum nicht.

Einen Kommentar schreiben