Beides geht nicht
Einer der wenigen Punkte, an denen sich der gesamte Landkreis Ostvorpommern einig ist, betrifft den Wiederaufbau der Karniner Brücke, um schnelle Bahnverbindungen Berlin – Ducherow – Insel Usedom zu ermöglichen.
Lieblingsgegner ist Landesverkehrsminister Schlotmann, der unter Berufung auf die allgemeine Finanzsituation darauf verweist, dass man durch die Bevorzugung des Bahnprojektes den Bau einiger Umgehungsstraßen gefährde. Der SPD-Politiker scheint dabei davon auszugehen, dass diesen Straßenbauvorhaben im Zweifel Priorität einzuräumen sei. Die Lokalpolitiker im Landkreis wollen sowohl das eine als auch das andere.
Die Auffassung, dass im Zweifel das Bahnprojekt Vorrang haben muss, damit die vielbeschworene Verkehrsverlagerung nicht nur eine Worthülse bleibt, ist weniger verbreitet. Dabei sollten die von Schlotmann konkret genannten Straßenbauprojekte tatsächlich generell hinterfragt werden. Dass neue Straßen generell zusätzlichen Verkehr erst induzieren, setze ich als bekannt voraus. Genauso sollten alle wissen, dass die Bevölkerung der Region nicht zunimmt, eher im Gegenteil. Es werden also mehr Straßen für weniger Menschen gefordert.
Auf der B109 zwischen Greifswald und der BAB-Anschlussstelle 25 besteht zwar die dringende Notwendigkeit eines straßenbegleitenden Radweges, nicht aber für irgendeine Ortsumgehung. Eine vollständige Stadtumgehung von Anklam wird im Norden immer durch das Naturschutzgebiet Peenetalmoor führen müssen, auf andere Ideen sind wir nichtsdestoweniger natürlich gespannt. Und auch für Wolgast fände ich es spannend zu erfahren, wo eine Umgehung eigentlich hin soll. Der Rückstau zu den Brückenöffnungszeiten wird sich jedenfalls so oder so nicht einfach in Wohlgefallen auflösen.
Wenn wir uns entscheiden müssen, dann also gerne für die Karniner Brücke. Und wenn dann kein Geld mehr übrig ist, könnten diejenigen, die gerne am lautesten alles wollen, auch mal sagen, wie der Staat, der das ja alles bezahlen soll, die dafür notwendigen Einnahmen erzielen soll.



1. Manfred Peters
Kommentar vom 3. März 2010 um 21:14
Zur Ortsumgehung Wolgast gibt es schon konkrete Pläne.
Die OZ hat erst kürzlich darüber berichtet:
http://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/archiv.phtml?param=news&id=2688036
Und es steht geschrieben: ” Der Bund ist mit dem Entwurf für das Millionenprojekt einverstanden. Der Architektenwettbewerb kann beginnen. …
Für die Wolgaster Ortsumgehung, die insgesamt 6,7 Kilometer lang werden soll, gilt eine Bauzeit von vier Jahren als realistisch. Sollte das Planfeststellungsverfahren also zeitnah beginnen, könnte das Bauwerk mit der Brücke als neues Wolgaster Wahrzeichen 2014/2015 fertig sein. Nach OZ-Informationen gibt es derzeit vielversprechende Verhandlungen der Verkehrsministerien von Land und Bund, um die nötigen Gelder in die Etats einzustellen. …”