Aufschwung, welcher Aufschwung?
“Starker Frühjahraufschwung auf dem Arbeitsmarkt”, so die OZ heute. Und die Greifswalder Zeitung assistiert: “HGW beste kreisfreie Stadt”, heißt es dort.
Dazu nur dies von den NachDenkSeiten (Hinweise des Tages 13a): “Die Zahl der Vollzeitstellen hat gegenüber dem Vorjahr um 270000 abgenommen. Die Zahl der Alg II -Bezieher hat zugelegt. Den Rest kann sich jeder denken.”
Oder Greifswald: Die Zahl der arbeitslosen unter 25-Jährigen hat im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1, 45 % zugenommen. Die Zahl der Kinder unter 15, die von SGB II-Leistungen leben müssen, nahm sogar um 5, 08% zu. Allein daran sieht jeder, der sehen will, dass die “neuen Jobs” (Greifswalder Zeitung), und auch die alten, nicht so viel Verdienst einbringen, um damit sich oder die Kinder zu ernähren. Schöner Aufschwung!
Und noch einmal die NachDenkSeiten: “Im Jahre 2010 enthalten die April-Arbeitslosenzahlen nicht jene Arbeitslosen, welche von privaten Arbeitsvermittlern betreut werden. Hierdurch wird die Arbeitslosigkeit gegenüber dem April 2009 statistisch um ca. 200.000 Personen geschönt. Die um diesen Statistikeffekt bereinigten Arbeitslosenzahlen sind somit gegenüber dem April 2009 um 38.000 Personen angestiegen (statt dem offiziell ausgewiesenen Rückgang um 162.000 Personen).”
Es ist jeden Monat das gleiche blöde Spiel.


1. lupe
Kommentar vom 30. April 2010 um 13:28
Hier noch ein Zitat:
Obwohl die Kurzarbeit zurückgeht, bleiben die oft beschworenen Massenentlassungen aus. Das ist gut, aber nicht ungefährlich: Leicht trübt sich der Blick auf das, was sich bei den Arbeitsbedingungen auf dem Jobmarkt tut; dort zählen nicht nur platte Quantitäten. …
Es gibt Arbeit. Die Frage ist, welche und zu welchen Bedingungen. Diese Perspektive ist kein Luxus, wenn viele befristet Beschäftigte heute nicht mehr vom Kündigungsschutz profitieren, wenn das Gehalt für eine private Altersvorsorge und manche Gesundheitsleistungen nicht ausreicht und übrigens auch ein Mindestlohn nicht dazu führt, dass man am Ende des Arbeitslebens eine Rente hat, die höher ist als Hartz IV.
Arbeit zu haben, verschafft heute nicht mehr automatisch ein Gefühl von Sicherheit. Es kann auch ein Quell der Prekarität, sogar der Demütigung sein. …
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/verdeckter-wandel/
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