Gemeinsame Sitzung des Bau- und Finanzausschusses zum Thema Postumbau

Die gestrige gemeinsame Sitzung der beiden Ausschüsse Bau und Finanzen zum Thema Kostenexplosion Postumbau hat (wie ich betone: leider!) sämtlich Vorurteile über die noch nicht in Greifswald angekommene Demokratie bestätigt.

Unter der Leitung eines professoralen Unpädagogen, der in seinen Zusammenfassungen eine andere Sitzung im Kopf zu haben schien als die, der er körperlich beigewohnt hat, wurde versucht, die Abgeordneten der Greifswalder Bürgerschaft davon zu überzeugen, daß sie die Verantwortung für das zu übernehmen hätten, was eine unkontrollierte Verwaltung in den Dreck gefahren hat. Und der Vorsitzende des bürgerschaftlichen Gremiums zwang trotz Widerspruchs seine BürgerschaftskollegInnen, der Verwaltung zu willfahren. Gehört abgesetzt, der Unpädagoge, wegen bürgerschaftsschädigenden Verhaltens!

Aber das ist ein bürgerschaftliches Internum, und über so ein kleines unpädagogosches Licht sollte man sich nicht allzu lange aufregen.

Der eigentliche Skandal ist, daß der Umbau der Post zum Rathaus nun nicht mehr 6.000.000 Euro kostet, sondern mehr als das Doppelte, nämlich 14.000.000 Euro! Und das ist nur der Stand gestern; heute kann es schon wieder ein bißchen teurer sein…

Allein: Das Faktum ist bekannt und stand ja sogar heute morgen schon in der Zeitung. Ein bißchen scheint sich doch zu ändern: ein fixer Redakteur und eine von der Verwaltung (!) einberufene, öffentliche Sitzung, in der über den Schlamassel informiert wurde! Welch’ Umwälzungen! Die Verantwortlichen müssen schon ziemlich mit dem Rücken an der Wand stehen, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als die Öffentlichkeit in ihre Machenschaften einzuweihen…

Trotzdem ist man, glaube ich, dem bisher kommissarischen neuen Bausenator zu Dank verpflichtet, daß er die Sache ins Rollen gebracht hat. Vermutlich ist es die einzige Möglichkeit für ihn, den Posten zu übernehmen und gleichzeitig sauber zu bleiben – ein Bestreben, zu dem ich ihn beglückwünsche, und von dem ich hoffe, daß es noch lange so bleibt! Der Mann hat am 20. 4. seinen Job angetreten, und am 20. 4. hat der marionettenhafte Frühstückskapitän mit dem physikalischen Doktor einen Auftragsstop verhängt. Zufall? Eher wohl nicht.

Ansonsten war der gestrige Abend ein Lehrstück in Instrumentalisierung. Die versammelten Fachleute in der hintersten Bank rechts haben seit vier Jahren sich redlich bemüht, den Umbau so teuer wie möglich zu machen und, Ari hin oder her, die Sache möglichst lange unbekannt bleiben zu lassen. Die Leute kriegen einen Haufen Kohle an jedem ersten, um professionell zu arbeiten – was sie da hingelegt haben, wäre eine Lachnummer, wenn es nicht so katastrophal teuer wäre!

Und bitte nicht alles auf Ari schieben – der gehört auch noch ‘rangeholt, aber es sind ja noch ein paar Leute hier, und alleine kann er das nicht gemacht haben. In einem hat das unpädagogische Kleinlicht gestern völlig recht gehabt: es gibt kein Controlling seitens der Stadt (vermutlich auch ganz bewußt!), und damit sind sie alle mit drin, in Aris untergehendem Boot! Wie kann es sein, daß hochbezahlte Profis 6 Millionen zugebilligt bekommen und 14 Millionen ausgeben? Wer hält die Leute auf?

Der gestrige Versuch, dieses komplette Versagen der gesamten Riege in der letzten Bank rechts und von Silberlocke vorne auf die Bürgerschaft abzuwälzen, zeigt mir, daß der seinerzeit als “Querulant” Titulierte durchaus recht hat: Die Bürgerschaft ist für die genannten Herren (es handelt sich, s. o.: Vorurteile, ausschließlich um solche) ein störendes Element, das man in der Regel hinters Licht führt, und das man erst, wenn die eigenen Taschen voll sind und der Karren gegen den Baum gefahren ist, hervorholt und die Verantwortung für die eingetretene Katastrophe übernehmen läßt.

Und die Hornochsen mit demselben Stallgeruch werfen sich dafür sogar noch ins Geschirr und bereiten vor, daß die Bürgerschaft im Nachgang alles rechtfertigt, was die Herren von der letzten Bank + Silberlocke verbockt haben!

Ich bitte darum, solche Versuche zu unterlassen. Diejenigen, die uns die 14.000.000 Euro eingebrockt haben, sollen dafür auch gerade stehen und sie verantworten.

Das gilt insbesondere für unseren Oberbürgermeister, Dr. Arthur König. Der gestern merkwürdig still war…

1 Kommentar und 2 Trackbacks/Pingbacks

1. Kay Karpinsky

Kommentar vom 11. Mai 2010 um 12:02

Hallo Uli, die ausgeprägte Neigung zur nicht namentlichen Nennung handelnder Personen macht es nicht gerade leicht, dem Artikel zu folgen und ein vollständiges Bild zu erhalten. Und den Hinweis kann ich Dir nicht ersparen, auch wenn unsere persönliche Meinung über den Finanzausschussvorsitzenden offenbar nahezu deckungsgleich ist.
Richtig ist allerdings die Feststellung, dass es an geeigneten Instrumenten fehlt, haushaltsschädigendes Verwaltungshandeln zu sanktionieren.

2. Grüne fordern Rücktritt des Greifswalder Oberbürgermeisters Arthur König | Fleischervorstadt-Blog - Geschichten aus Greifswald - polemisch - politisch - positioniert

Pingback vom 11. Mai 2010 um 17:55

[...] Blog der Grünen erhitzten derweil die Gemüter. Einer gewohnt – aber auch erfrischend – giftigen Schilderung der gestrigen Sitzung des Bau- und Finanzausschusses folgte wenig später eine Pressemitteilung die [...]

3. Konsequenz - Greifswald wird Grün

Pingback vom 12. Mai 2010 um 11:38

[...] und diesen und diesen und diesen Gründen haben wir diese Pressemitteilung [...]

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