Deutsch-Polnisches Anti-Atom-Camp
Wir hatten zum Thema ja bereits eine Greifswalder Erklärung verfaßt. Aber: Da es nicht nur hier, sondern auch in Polen offenbar eine Atomlobby gibt, können wir auch – sofern wir nicht usedomradeln wollen – einen kleinen Pfingstausflug machen!
21.-23. Mai 2010 (Pfingsten) in Mescherin / Oder
Polsko-niemiecki obóz anty-atomowy
21-23 maj 2010 w Mescherin (Odra)
Technik für’s Museum

Die polnische Regierung plant, in den nächsten Jahren mehrere Atomkraftwerke zu bauen. Ein möglicher Standort dafür ist Gryfino an der unteren Oder (in der Nähe von Schwedt). Außerdem soll in Polen Uran abgebaut und ein Endlager errichtet werden. Dagegen wehren wir uns. Mit einem Anti-Atom-Camp in Mescherin (gegenüber von Gryfino) wollen wir über die geplanten Vorhaben informieren und Atomkraftgegner/innen aus Polen und Deutschland miteinander in bessere Verbindung bringen.

Polen plant den Wiedereinstieg in die Atomkraft und hat dafür einen langfristigen Aktionsplan ausgearbeitet. Dieser reicht von Uranabbau und -anreicherung über die Ausbildung von Fachkräften bis hin zum Bau von Atomkraftwerken und Endlagern. Einzelheiten zu den polnischen Atomkraft-Plänen finden sich in der Kurzdarstellung des polnischen Atomprogramms aus dem Jahre 2009.
Für den Bau der AKWs, der 2016 beginnen soll, hat der polnische Energiekonzern PGE – der derzeit mit hohen Gewinnerwartungen privatisiert wird – Kooperationsabkommen mit GE Hitachi (USA) und EDF (Frankreich) unterzeichnet. GE Hitachi würde (bauartbedingt besonders gefährliche) Siedewasserreaktoren, EDF Druckwasserreaktoren vom EPR-Typ bauen. Ein Prototyp des EPR (= europäischer Druckwasserreaktor) wird derzeit von Siemens/Framatome in Finnland errichtet, auch er zeichnet sich neben davongaloppierenden Kosten durch extreme Sicherheitsmängel aus, wie durch einen Insiderbericht bekannt wurde.
Derzeit sind zwei Standorte für Atomkraftwerke an der Oder angedacht und im Auswahlverfahren. Die Bürgerinitiative AFLUM (Atomkraftfrei leben in der Uckermark) mobilisiert schon seit längerem gegen diese Kraftwerke, bisher vor allem auf deutscher Seite. Unser Camp soll dazu dienen, den Widerstand gegen die geplanten Kraftwerke auf beiden Seiten der Oder bekannter zu machen, mit der schon etablierten Anti-Atombewegung zu vernetzen und vor allem mit der polnischen Umweltbewegung zusammenzubringen. Wir wollen dabei über die Gefahren und Probleme der Atomkraft sowie Alternativen dazu informieren.
Das Camp selbst findet auf dem Parkplatz des Nationalparks “Unteres Odertal” in Mescherin statt. Organisiert wird es von der Anti-Atom-Cooperation (AAC) und der AFLUM.
Die Schirmherrenschaft für das deutsch-polnische Anti-Atom-Camp liegt in den Händen von Herman Scheer (Mitglied des Deutschen Bundestags und Träger des Alternativen Nobelpreises).
Die Trägerschaft für das Camp hat der BUND Brandenburg übernommen.
Aus der Presse:
Die polnische Regierung hat erklärt, die ersten Atomkraftwerke nunmehr doch nicht vorzugsweise an der deutsch-polnischen Grenze, sondern weiter im Landesinneren bauen zu wollen. Die endgültige Entscheidung darüber liege allerdings beim Investor (Info , Presseerklärung der BI AFLUM).
Wir werten dieses örtliche Zurückweichen als einen ersten Erfolg unserer gemeinsamen Bemühungen zur Verhinderung einer polnisch-deutschen Atomkraft-Renaissance. Wir werden unser Camp aber trotzdem (und jetzt erst recht) durchführen, denn verschoben ist nicht aufgehoben. Das Camp soll nun verstärkt dem Ausbau der Zusammenarbeit mit polnischen Atomkraftgegner(inne)n dienen.
Nach unbestätigten Berichten soll inzwischen Gryfino sogar ganz von der Liste der möglichen AKW-Standorte gestrichen worden sein. Dafür soll aber der Baubeginn des ersten AKW von 2016 auf 2012 vorverlegt werden – offenbar will man einer Ausweitung des Widerstands auf Polen zuvorkommen. Gebaut werden soll demnach in Zarnowiec, wo schon 1986 der erste Versuch eines AKW-Baus scheiterte. (Info)
Es wird also Zeit, den Widerstand dagegen zu organisieren! Mitstreiter/innen sind uns dabei herzlich willkommen.
Eine andere Welt ist möglich, eine andere Energiepolitik auch: laut einer kürzlich erschienenen Studie des Europäischen Rats für Erneuerbare Energien (EREC) ist eine nahezu vollständige Versorgung Europas aus erneuerbaren Energiequellen bis zum Jahre 2050 möglich, für die Bereiche Elektrizität sowie Kühlung und Heizung sogar zu 100 %.
Auch für Deutschland wird vom (von der deutschen Bundesregierung 1971 eingerichteten) Sachverständigenrat für Umweltfragen eine 100 prozentige Elektrizitätsversorgung bis 2050 als möglich und wünschenswert erklärt (Presseerklärung).



