Warum die ABS Greifswald ein Kontrollorgan benötigt
Über die ABS wurde hier schon desöfteren berichtet. Ein von der Bürgerschaft gefordertes Kontrollorgan lehnten die Gesellschafter der ABS jedoch ab. Das Nichtbeachten eines Beschlusses der Bürgerschaft ist jedoch eine andere Geschichte, soll an dieser Stelle nicht weiter behandelt werden.
Wenn es tatsächlich noch Zweifel geben sollte, dass ein Kontrollorgan wirklich nötig ist, so dürften diese durch folgende “Beschäftigte” in Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (sog. Ein-Euro-Jobber) restlos beseitigt sein. “Ein-Euro-Jobs” sind bekanntlich nur zulässig, wenn die Tätigkeit zusätzlich ist.
Von der ABS (An der Klosterruine 6) werden “Ein-Euro-Jobber” auf dem Gelände eines ABIG e.V. (An der Klosterruine 6 [!]) eingesetzt. Die Tätigkeitsbeschreibung belegt die Perversion des Greifswalder Systems und stellt einen sozialpolitischen Skandal dar:
“Auf dem Gelände des ABIG e.V. werden auf einer Fläche von 7000 qm Gemüse und Futterpflanzen angebaut. Sie sind beauftragt mit der Erzeugung und Pflege zusätzlicher Lebensmittel und zusätzlichen Futters (Obst und Gemüse) zur anschließenden Bereitstellung für die Greifswalder Tafel und dem Heimtierpark Greifswald.” So die Tätigkeitsbeschreibung…
Ich frage mich, was zusätzliches Futter für den Heimtierpark bedeuten soll: Werden dort Tiere über die normale und damit notwendige Fütterung hinaus gemästet? Dann sind ja wohl die Tierschützer gefragt. Zusätzliches Futter kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen…
Auch die Erzeugung zusätzlicher Lebensmittel für die Greifswalder Tafel lässt die Frage aufkommen, ob es so etwas überhaupt geben kann. Die originäre Grundidee der Tafel – Verteilung von überschüssigen Lebensmitteln an Bedürftige – wird damit unterlaufen und die grundsätzliche Kritik an der “Vertafelung der Gesellschaft” wird immer berechtigter. Die Tafel wird zum Bestandteil einer staatlichen Strategie der Armutsbekämpfung, obwohl dies allein Aufgabe des Staates ist. Noch schlimmer: Betroffene des Systems (“Ein-Euro-Jobber”) werden zu Unterstützern des Systems.
Wenn sich Tafeln, wie dies in Greifswald geschieht, so organisieren, verlassen sie ihre originäre Aufgabe und sind Teil der Manifestation von Armut in unserer Gesellschaft und tragen zum Abbau des deutschen Sozialstaates bei. Tafeln können kein wirksames Instrument zur Überwindung gesellschaftlicher Armut sein, so auch das Diakonische Werk der EKD im Positionspapier “Tafeln im Kontext sozialer Gerechtigkeit”.
Heinrich Pestalozzi hat Recht: “Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade”.



1. A. Koch
Kommentar vom 16. Juli 2010 um 13:34
Eigentlich sollte es erstaunlich sein, dass die Grünen nicht einmal auf die Idee kommen, dass Menschen für gute Arbeit auch gut bezahlt werden müssen. Aber sie gehören zu den Tätern, die diese Ausbeutung und Menschenverachtung erst ermöglicht haben!
Ein Kontrollorgan? Was wir brauchen ist die Kontrolle der Regierung durch das Volk, doch das wird geflissentlich verhindert. Zuviel Demokratie tut den Menschen nicht gut. So denkt man ganz im Sinne eines Joschka Fischer!
Ein-Euro-Jobs sind das Ende der Vernunft, der Menschlichkeit und des Anstands. Das ändert auch ein Kontrollorgan nicht.