Der tägliche Grund, GRÜN zu wählen (26)

Diesmal: Barrierefreie Mobilität

Dem egoistischen Konzept der „Freien Fahrt“ für solche, die sich das leisten können, setzt GRÜN bekanntermaßen die „Mobilität für alle“ entgegen. Dass aus dem Grundsatz, alle Verkehrsträger gleich zu behandeln, zunächst verbesserte Bedingungen für Radfahrer_innen, Bus- und Bahnfahrer_innen folgen müssen, leuchtet schnell ein. Eine andere Zielrichtung des grünen Mobilitätskonzeptes ist, auch die Bedürfnisse derjenigen Verkehrsteilnehmer_innen zu berücksichtigen, die in der herkömmlichen betonzentrierten Herangehensweise stets zu kurz kommen, was in unserem Programm so formuliert wird: „Jede Verkehrsplanung muss die Interessen aller Menschen in den Blick nehmen. Dabei sind die Bedürfnisse der schwächsten Verkehrsteilnehmerinnen und VerkehrsteilnehmerInnen die Messlatte. Das kann für den Kraftfahrzeugverkehr Einschränkungen mit sich bringen.“
Ferner beginnen wir in demselben Programm in der Behandlung der einzelnen Verkehrsarten nicht ohne Grund mit dem Fußgänger_innenverkehr und weisen auch hier auf die Bedürfnisse von Kindern, Familien und Älteren explizit hin.
An Sommerwochenenden wie dem zu Ende gehenden wird deutlich, was daraus konkret folgen soll. Drei Beispiele:
Wer mit Bahn und Kinderwagen aus Südbaden an die Ostseeküste in den Urlaub fährt, hat dabei oftmals eine Reise mit Haken und Ösen vor sich. Und auch wenn in dem verlinkten Beitrag die RE5 Wittenberg–Rostock wie auch der Rostocker Hauptbahnhof vergleichsweise gut wegkommen: Das Problem des Waggonparkes betrifft uns so oder so: Denn entweder treffen wir wohl auf Doppelstockwagen mit Niederflureinstieg, die dann aber wahlweise unbequem (RE3) sind oder zumindest keine Antwort auf die Frage liefern, wohin eigentlich das viele Gepäck soll, also nicht langstreckentauglich sind. In den IC-Garnituren hingegen sitzt mensch zwar einigermaßen angenehm, für rundum komfortables Reisen mit Kinderwagen oder Fahrrad sind sie aber auch nicht ausgelegt bzw. veraltet.
Damit sind wir auch schon drin in Beispiel zwei. Da nämlich das IC-Angebot auf den meisten Strecken zu unregelmäßig ist, nicht gut in das Taktgefüge eingebunden und für Spontanreisende mit Fahrrad zu umständlich (es gibt die Fahrradkarten für den IC partout nicht am Automaten), drängt sich an manchen Tagen im RE Fahrrad auf Fahrrad. Hier kann das Land durchaus Einfluss nehmen, zum Beispiel durch eine den Bedingungen angepasste Gestaltung der Ausschreibungen. Denn es gibt inzwischen in der Eisenbahnwelt rollendes Material, das den geschilderten Ansprüchen genügt. Die in der Schweiz eingesetzten Doppelstock-IC-Waggons verbinden Komfort, Stauraum für Gepäck und barrierefreien Einstieg miteinander. Als Bonus verfügen einige Linien sogar über ein durchaus attraktives Kinderabteil (mit Platz zum Rumturnen und dergleichen).

Leider nicht in Deutschland unterwegs

Beispiel drei erwähnt dieser Kommentar. Wer mit Fahrrad und Kind vor Ort weiterkommen möchte, stößt vielfach auf dafür unzureichende Fahrradrouten. Die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) setzen nicht ohne Grund Richtmaße für neu anzulegende Fahrradwege fest, die ein flüssiges Befahren mit Kinderanhänger ermöglichen sollen. Leider werden die ERA immer noch viel zu häufig ignoriert. Unser Programm zielt da zunächst auf den „innerstädtischen Bereich“ ab. Wir entschuldigen uns für das Versehen. Auch außerorts sind die ERA selbstverständlich durchzusetzen.

2 Gedanken zu &8222;Der tägliche Grund, GRÜN zu wählen (26)&8220;

  1. Ja, was die Bahn angeht wird man als Grüner zum Kommunist: Bahn Verstaatlichen und die Manager enteignen. Das Kinderwagen-Beispiel ist das eine, Fahrräder sind das andere. Und die Art, wie neuerdings mit Reservierungen Züge überbucht werden, ist so ein weiteres Ding. Neulich im IC von Hamburg nach Dortmund im Fahrrad-Abteil gefahren: Im ganzen Zug standen die Leute und im Fahrrad-Abteil drängelten sich Fahrgäste und Fahrräder. Zwei Schweizerinnen waren dabei, die haben gut abgelästert. Wir haben dann beschlossen, die Führungsriege der Bahn auf Fortbildung nach St. Gallen, Winterthur oder Bern zu schicken.

  2. Das „Verstaatlichen“ allein ist ja wenig hilfreich, solange die handelnden Personen gleich bleiben, wie das bei vermeintlichen Systemwechseln oft der Fall ist. Schließlich gehört die Bahn mehrheitlich dem Staat, doch ihr Vorstand setzt sich komplett aus Leuten zusammen, die vom Eisenbahnverkehr nichts verstehen. Wenigstens für den landespolitisch steuerbaren Teil gibt es aber Möglichkeiten eisenbahntechnischen Sachverstand bis an die Oberfläche durchdringen zu lassen. Das geht natürlich nur, wenn sich der zuständige Minister mal klar entscheidet und sagt, alle Verkehrsträger zusammen, das geht nicht.

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