Fußballstrand Heringsdorf: Meine Wünsche an das ZDF
Kay Karpinsky am 07. Juni 2012 | 4 Kommentare
Folgendes Schreiben habe ich heute an das ZDF geschickt:
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Sehr geehrte Damen und Herren,
als Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern freue ich mich, dass das ZDF anlässlich der Übertragung der Fußball-Europameisterschaft 2012 den „ZDF-Fußballstrand“ an der Heringsdorfer Seebrücke als EM-Studio eingerichtet hat. Ich begrüße es auch, dass Sie die Nachbarschaft unserer Region zum Gastgeberland Polen nutzen, um auch über den Fußball hinaus Mecklenburg-Vorpommern vorzustellen und zu zeigen.
Mein Anliegen und Anlass dieses Schreibens ist der Wunsch, dass Sie sich in diesem Zuge auch den Problemen und Schattenseiten unserer Region widmen mögen. Genauso wie zum Beispiel eine kritische Sichtweise auf die Gastgeberländer, insbesondere auf die politische Situation der Ukraine, notwendig und angebracht ist, sollten Sie die erhöhte Aufmerksamkeit der kommenden drei Wochen auch nutzen, um kritische Berichte über Probleme in Vorpommern in Ihr Programm einfließen zu lassen.
Die größten Probleme unserer Region sind aus meiner Sicht Mängel in der demokratischen Entwicklung der Region. Das drückt sich vor allem durch vergleichsweise hohen Zuspruch für rassistische und nationalistische Ideologien aus, wie sich an den hohen Wähleranteilen der NPD erkennen lässt. Neonazis versuchen in Teilen Vorpommerns, Räume für sich zu besetzen, und setzen dabei auch auf Gewalt und Einschüchterung gegenüber Andersdenkenden. Menschen, die sich der Ausbreitung menschenfeindlicher Gesinnungen und Aktivitäten entgegenstellen, erhalten dabei oft zu wenig Unterstützung.
Eine Fußball-Europameisterschaft ist ein internationales Ereignis, das wir gerne mit fairem sportlichen Wettstreit, Weltoffenheit und Toleranz verbinden. Auch der DFB und die Nationalmannschaft betonen dies zu Recht immer wieder. Die jüngsten Äußerungen von Philipp Lahm zur Situation in der Ukraine unterstreichen das. Der Hinweis, dass bei solch einem Turnier für menschenfeindliche Ideologien kein Platz ist, muss gerade gegenüber denjenigen in unserer Region, die sich gegen Weltoffenheit und Toleranz richten, deutlich artikuliert werden.
Daher wünsche ich mir, dass Sie die Gelegenheit Ihrer EM-Berichterstattung aus Heringsdorf auch dazu nutzen, auf unsere Probleme hinzuweisen und damit auch diejenigen zu unterstützen, die sich in Vorpommern gegen Neonazis und für eine Entwicklung der demokratischen Kultur engagieren. Ein Ansprechpartner in der Region könnte etwa der DemokratieLaden in Anklam (www.demokratisches-ostvorpommern.de) sein.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrer journalistischen Arbeit und uns allen natürlich ein faires und interessantes EM-Turnier.
Mit freundlichen Grüßen
Kay Karpinsky


1. Edward
Kommentar vom 7. Juni 2012 um 18:07
wie naiv! was, wenn sie – wie üblich in den “investigativen” Medien (siehe den tendenziösen Berichten aus der Ukraine)- bei der Beschreibung der Probleme stehen bleiben? was bleibt dann beim Zuschauern über Vorpommern hängen?